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Eine Landschaft, die fasziniert

Karin war mit Annina und Fiona in Spittal

Name
Karin
Nationalität
deutsch
Land
Deutschland
Sprache
Deutsch
Stadt
Wismar
Heimathochschule
Hochschule Wismar
Studiengang
Architektur
Abschluss
Master
Status
Student/in
Zeitraum
01.02.2013 - 31.07.2013
Kinder
Annina (11) , Fiona (6)
Land
Österreich
Sprache
Deutsch
Stadt
Spittal
Hochschule
Fachhochschule Kärnten Carinthia University of Applied Sciences
Anlass der Reise
Studiengangsintegriertes (verpflichtendes) Auslandsstudium , Auslandserfahrungen sammeln
Kriterien
Nachbarland, Organisationsaufwand, Kinder und Familienfreundlichkeit der Region, gutorganisierte Hochschule
Land
Österreich
E-Mail
b.nussbaumer(at)fh-kaernten.at oder international(at)fh-kaernten.at
Wie sind Sie ins Ausland gegangen?
im Rahmen einer Hochschulkooperation
Mobilitätsprogramm
Erasmus Studium
Dokumente
Auslandskrankenversicherung , Kinderausweis(e) , Reisepass
Sonstiges, und zwar
Geburtsurkunden der Kinder, Negativatteste
Wohnsituation

Wir bezogen eine Ferienwohnung mit Blick auf den Millstätter See an einem Berghang inmitten vieler typischer Einfamilienhäuser. Durch einen glücklichen Zufall wohnten wir mit einer großen Familie in einem Haus zusammen. Es entstanden Freundschaften zwischen den Kindern, die teilweise den gleichen Kindergarten besuchten und es ergaben sich Mitfahrgelegenheiten und Hilfen beim Bringen und Abholen. Insgesamt war die Wohnung kleiner (zwei Zimmer, Bad und Wohnküche), aber dafür hatten wir eine Terrasse und auch Spielmöglichkeiten (Schaukel, Sandkasten, Wiese, Wald, ...) im großen Garten. Die nächste Bushaltestelle war ca. 10 Minuten entfernt.

Kinderbetreuung Kriterien

Bereits telefonisch (Kiga) oder per Email (Schule) wurde der erste Kontakt etwa ein bis zwei Monate vorher hergestellt. Den Kindergarten hatte ich zuerst postalisch angeschrieben und ein Foto beigelegt (praktisch: als wir ankamen, konnte dieses gleich für die Namenstafel verwendet werden). Die Formalitäten habe ich dann vor Ort mit der Direktorin und der Kindergartenleiterin erledigen können. Ich musste nur zum Meldeamt, welches wiederum nur eine Unterschrift meines Vermieters brauchte. Für einen Ganztagsplatz brauchte ich noch ein Schreiben von meiner Hochschule. Den Hortplatz haben wir erst später genutzt (durch ein sprachliches Missverständnis dachte ich anfangs dieser kostet 270,- statt 72,-Euro). Da die Große schon Mitte Februar zur Schule musste und wir jeden Morgen am Kindergarten ausstiegen, wollte die Kleine auch schon zu den anderen Kindern zum Spielen. Es war eine schöne Eingewöhnungszeit, in der ich die beiden immer mittags abholte, da mein Semester noch nicht begonnen hatte. Allerdings fehlte mir der soziale und sprachliche Anschluss in den ersten beiden Wochen. So gab es lustige Situationen wo die beiden sich untereinander im Dialekt unterhalten haben und ich Ãœbersetzungshilfen brauchte. Auch zwischendurch halfen sie mir aus der Patsche, wenn ich mal wieder nichts oder nicht alles verstanden hatte.

Kinderbetreuung Situation

Die Unterbringung der Kinder im Kindergarten und in der Schule waren problemlos möglich. Ich hatte diesbezüglich auch keine Bedenken, da es in Österreich ebenfalls eine Schulpflicht gibt.

durchschnittlichen Lebenserhaltungskosten vor Ort

Unterkunft
400 Euro
Krankenversicherung
52 Euro
Verpflegung
700 Euro
Verkehr
120 Euro
Kinderbetreuung
334 Euro
Sonstiges
420 Euro
Finanzierungsmöglichkeiten
Unterhalt , Job einer mitgereisten Partnerin / eines mitgereisten Partners , Stipendium , eigener (Neben-)Job , Erspartes , Elterngeld
Sonstiges, und zwar
Unterhalt
Motivation

Schon vor 11 Jahren arbeitete ich im Ausland (in London) und fand das multikulturelle Zusammensein und die verschiedenen Sprachen spannend und bereichernd für mein Leben. Ein Auslandssemester wollte ich von Anfang an machen, aber ohne meine Kinder ist es für mich undenkbar gewesen. Nachdem die Unterstützung durch den Partner fehlte und es auch kein Pflichtbestandteil im Studiengang Architektur ist, schien mein Wunsch in weite Ferne gerückt zu sein. Zum Glück gibt es das Internetportal "Auslandsstudium mit Kind", um Mut zu machen, seinen Träumen (vielleicht auch verbunden mit kleinen Kompromissen) nachzugehen.

Transportmöglichkeit

Kärnten grenzt an die Länder Slowenien und Italien. Bis Venedig oder Wien sind es ca. vier Stunden mit dem Bus oder Auto. Klagenfurt und Ljubljana sind näher und ebenfalls einen Ausflug wert. Für die Autobahnnutzung mit dem eigenen Auto muss man Maut bezahlen und es gibt Jahres- oder Monatsvignetten (Autobahnpickerle). Die Jahresvignette kostete ca. 80 Euro und ich kaufte sie schon bei der Anfahrt. Vor Ort bin ich regelmäßig zur Fachhochschule, zur Schule und zum Kindergarten gependelt (meistens mit dem Auto, ab und zu mit dem Bus), da wir nicht in der Stadt wohnten. Als nach zähen Verhandlungen, um die sich insbesondere die Direktorin bemühte, meine große Tochter trotz deutscher Staatsbürgerschaft eine Schülerbusfahrkarte erhielt, fuhr sie auch regelmäßig mit dem Bus zur Schule. Es hat ihr mehr Spaß gemacht, weil sie dort schon ihre Freundinnen getroffen hat.

Verpflegung

Es gibt die gleichen Mahlzeiten wie bei uns. Teilweise wird zum Mittag nur eine Kleinigkeit (z.B. Leberkässemmel, Kässtangerl’, ...) zu sich genommen. Oft wird dann im Anschluss an den Arbeitstag/Schultag gegessen, wenn man zuhause ankommt (egal wie spät es ist) â€" häufig auch warmes Essen. In der Schule gab es im Hortbereich Mittagessen welches geliefert wurde. Allerdings erst nach Unterrichtsschluss, denn es gab keine Mittagspause zwischen den Unterrichtsstunden â€" also in unserem Falle an drei von fünf Tagen gegen 15:00 Uhr. Das Mittagessen im Kindergarten wurde 12:30 Uhr ausgeteilt und war immer frisch und selbst vor Ort zubereitet. Eine Besonderheit ist noch die Jause â€" eine Brotmahlzeit mit Wurst und/oder Käse und was einem sonst noch so einfällt. Egal zu welcher Tageszeit, wenn es mit Brot ist, heißt es Jause. Die Versorgung mit frischen Lebensmitteln ist über den Supermarkt nur einseitig möglich. Märkte ergänzen den persönlichen Bedarf und bieten frischeres Obst und Gemüse an. Stilles Wasser gibt es fast nicht zu kaufen. Es wird oft das Quellwasser (Leitungswasser) gepriesen und getrunken, allerdings meistens mit einem Sirupzusatz. Vieles ist sehr köstlich, anderes gewöhnungsbedürftig. Wir mochten Kasnudeln und andere einheimische Spezialitäten, aber an die Gewürze im Brot haben wir uns nicht gewöhnen können.

Studienablauf

Da die Fachhochschule Kärnten eine kleine Hochschule ist und ich am Standort Spittal nur mit 15 weiteren Architekturstudentinnen und -studenten im Semester studierte, war die Unterrichtsform eher verschult, also im Klassenverbund und familiär. Zeitweise bestanden Kooperationen mit der TU Wien und der Fachhochschule in Banja Luka und es fanden Workshops und Präsentationen mit über 70 Studierenden statt. Die Hälfte unserer Klasse waren Studierende aus anderen Ländern â€" sogenannte Incomings â€" teilweise für sechs Monate oder ein Jahr über das ERASMUS-Austausch-Programm wie ich dort, teilweise den gesamten Masterstudiengang eingeschrieben bzw. inskribiert wie es dort heißen würde. Für das gesamte Semester gab es einen Stundenplan, in dem die Pflichtfächer und die Wahlfächer, für die man sich vorher entscheiden konnte, eingetragen waren. Viele Fächer waren geblockt. Häufig gab es Veränderungen oder spontane Treffen, die meistens von den Studierenden vorgeschlagen und durchgesetzt wurden, um Angebote zeitlich zu optimieren bzw. miteinander vereinbaren zu können. Dabei wurden manchmal nur die Vorstellungen einer Gruppe berücksichtigt. Tägliche Anwesenheit war wichtig, um Terminänderungen rechtzeitig oder überhaupt zu erfahren. Es gab eine kleine Bibliothek, eine Mini-Werkstatt sowie Unterrichtsräume und einen Hörsaal. In den Ateliers, im Plottraum und in den EDV-Räumen standen PC’s und alles Notwendige fürs Drucken, Plotten, Kopieren, Scannen und Schneiden rund um die Uhr und für wenig Geld oder sogar kostenfrei zur Verfügung. Besprechungen, Korrekturen und Gruppenarbeiten fanden meistens im Atelierraum statt, der gleichzeitig auch Unterrichtsraum war. Durch die anderen Austauschstudentinnen und â€"studenten wurden viele Vorlesungen und Informationen in Englisch vorgetragen. Es ergab sich für mich ein sprachlich sehr erlebnisreiches und internationales Semester. Ich habe festgestellt, dass Präsentationen und Vorträge in englischer Sprache nicht nur wichtig, sondern sogar essentiell sind, um sich gegenseitig zu verstehen.

Tagesablauf

Mo-Fr (häufig) 06:00 Aufstehen 06:30 Kinder wecken 06:50 Frühstücken, Jause vorbereiten und einpacken 07:20 los fahren ab 07:35 Schule bis 08:00 Kindergarten ab 08:50 Fachhochschule 12:00 Mittagspause ab 16:00 (unterschiedlich) Kinder abholen 17:30 (bis 20:00) Abendessen und gemeinsame Zeit Sa/So Ausschlafen Wandern/Baden/Studium/Wohnung/Einkaufen/etc.

Resümee

Es war ein schönes Erlebnis, für jeden einzelnen von uns. Das Wetter und die Berge waren beeindruckend, die Menschen waren ganz anders und sich neu orientieren zu müssen, war eine gute Erfahrung. Meine Kleine wird sich wohl immer an die Zeit im Kindergarten, als sie eine Jausenbox mitnehmen musste, erinnern. Die Große hat eine Freundin fürs Leben dort gefunden und ich â€" ich habe die Freude an den verschiedenen Sprachen wiederentdeckt.

Informationen Familienbild

Grundsätzlich gibt es nach meinem Empfinden ähnliche Familienstrukturen wie in Deutschland â€" vielleicht eher wie in Süddeutschland. Meistens wohnen die Kinder mit ihren Kindern und dem Partner noch bei den Eltern in einem großen Haus zusammen. Viele Frauen bleiben durch die Kindererziehung zu hause und sind nicht berufstätig. Der Mann hat häufig eine übergeordnete Rolle bzw. das letzte Wort wenn man es so nennen will, insbesondere was finanzielle Situationen betrifft. Alleinerziehend und studierend ist eigentlich niemand. Spannend finde ich, dass viele Frauen auch öfter etwas gemeinsam (ohne Partner) unternehmen, also abends nach den Familienpflichten. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter befreundeten Frauen würde ich intensiver als in Deutschland bewerten, wo häufig der Partner in Treffen mit einbezogen wird.

Empfehlungen

Sehr bereichernd war die Tatsache, dass ich mit meiner großen Tochter zusammen nach einer Schule im Internet suchen konnte. Ich traf die Vorauswahl und sie konnte dann entscheiden wo sie hingehen möchte. Das funktionierte sehr gut und wir waren beide zufrieden. Schwieriger war es, eine passende Wohnung im Internet zu finden. Wahrscheinlich ist es einfacher, sich direkt vor Ort umzuschauen. Aber eine extra Reise von über 2000 km nur für Wohnungsbesichtigungen war nicht möglich. Und mit Gepäck anreisen und dann suchen, habe ich mir nicht zugetraut. Darum war ich sehr erleichtert als ich eine Email von einer befreundeten Familie erhielt, in der stand, dass sie mir helfen wollen und sich für mich umschauen. Sie fanden dann eine Ferienwohnung, die für den Zeitraum frei und zudem komplett möbliert war. Ich überlegte nicht lange, vertraute und sagte zu. Dabei ließ ich mir die Option offen, im Notfall noch vor Ort suchen und in eine andere Wohnung ziehen zu können. Wer altersbedingt keinen "Studentenstatus" mehr bei der deutschen Krankenkasse hat und dort freiwillig pflichtversichert ist, kann sich in Österreich bei der Gebietskrankenkasse (GKK) günstiger â€" auch mit Kindern â€" versichern. Das Alter spielte dort keine Rolle und es ist alles ganz klar strukturiert aufgebaut. Für mich waren ca. 52 Euro/Monat statt sonst fast 200 Euro plus Auslandskrankenversicherung für jede(n) Mitreisende(n). Ich musste allerdings viel telefonieren und es kann erst vor Ort organisiert werden (da man das Inskriptionsblatt vorlegen muss). Insgesamt hat es eine Weile gedauert bis alles geklärt war. Vor allem meine deutsche Krankenkasse war tageweise unterschiedlicher Meinung ob und zu wann ich kündigen konnte (auch die Mitarbeiter für Studierende wissen manchmal nicht weiter!) und ich wollte schon fast aufgeben. Wir waren mit verstauchtem Kinderfuß beim Arzt, einer Zecke im Ohr in der Notaufnahme und einmal rief der Hort den Rettungswagen und wir fuhren wegen Bauchschmerzen auf die Kinderstation ins Krankenhaus. Es gab keine Probleme bei den Behandlungen â€" weder finanzieller noch inhaltlicher Art. Auch die erneute Versicherung (Wiederaufnahme) in Deutschland ist inzwischen besser geregelt als noch vor 11 Jahren und funktionierte reibungslos.

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