Erfahrungsberichte finden

Schottenrock & Dudelsack

Susanne war mit Yannis in Elgin

Name
Susanne
Nationalität
deutsch
Land
Deutschland
Sprache
Deutsch
Stadt
Coburg
Heimathochschule
Hochschule Coburg
Studiengang
Betriebswirtschaft
Abschluss
Bachelor
Status
Student/in
Zeitraum
01.08.2012 - 31.01.2013
Kinder
Yannis (12)
Land
Groß Britannien
Sprache
Englisch
Stadt
Elgin
Hochschule
University of the Highlands and Island Moray College
Anlass der Reise
Auslandserfahrungen sammeln , Sprachkenntnisse erweitern
Kriterien
Meine Wunschvorstellung war EU, aber mit einem anderen wirtschaftlichen Hintergrund und einer anderen Gesetzgebung. Die Wahl für die passende Partnerhochschule fiel sehr schnell auf die UHI. Der Grund dafür, dass ich bevorzugt in den englischsprachigen Raum reisen wollte, war mein Sohn. Mein Sohn ist schulpflichtig und da es auch für ihn ein großer Schritt war, haben wir uns darauf geeinigt, dass es Großbritannien sein sollte, das neben Deutschland eine starke Position in der EU einnimmt und somit sehr interessant erschien. Meine Entscheidung wurde noch bestärkt durch die Kursauswahl. Die Vorbereitungsphase begann ca. 9 Monate vor der Abreise. Da ich die erste Studierende der HS Coburg war, die mit einem Kind einen Auslandsaufenthalt plante, gab es leider keine Erfahrungen von Seiten der HS Coburg.
Land
Groß Britannien
Wie sind Sie ins Ausland gegangen?
als Free Mover
Mobilitätsprogramm
Erasmus Studium
Dokumente
Auslandskrankenversicherung , Learning Agreement , Kinderausweis(e) , Einschreibungen / Zulassungen für Gasthochschule
Wohnsituation

Die Wohnungssuche gestaltet sich als sehr schwierig. Zwei durch die UHI vermittelte Unterkünfte wurden dann von Seiten der Vermieter wieder zurückgezogen. Zuletzt 6 Wochen vor Abflug. Ich habe dann kurzfristig ein B&B gewählt, welches sich als sehr überteuert herausstellte und nur aus einem einzigen feuchten Raum bestand, in dem man kaum zu zweit ein halbes Jahr hätte gut leben können. Vorort habe ich dann nach einigen Schwierigkeiten eine private Wohnung angemietet. Als ausländischer Student, der nur 5 ½ Monate bleibt, hat man eher schlechte Chancen eine Wohnung anzumieten. Leider musste ich für die Wohnung einen Monat mehr Miete bezahlen, weil der Mindestzeitraum 6 Monate betrug, was hierbei Kosten von 500 BP extra bedeutete. Hier wäre eine Einrichtung wie ein Studentenwohnheim vor Ort sehr schön gewesen. Aber dieses gibt es auch nicht für einheimische Studenten und viele Vermieter, die mit der UHI zusammen arbeiten, scheuten sich dann wohl doch eher ein Kind mitaufzunehmen.

durchschnittlichen Lebenserhaltungskosten vor Ort

Finanzierungsmöglichkeiten
Auslands-BAFöG , eigener (Neben-)Job , Erspartes , Elterngeld
Orientierung vor Ort

Auch wenn der Anfang sehr schwierig und holprig war und wirklich nicht immer alles nach Plan verlief, würde ich jedem einen Semester im Ausland empfehlen, da es ein unvergessliches und auch prägendes Erlebnis sein kann.

Studienablauf

Das Studienjahr beginnt in Schottland Ende August und geht bis Ende Januar. Die meisten Kurse gehen ein Semester. Aber es gibt auch einige, die über zwei Semester laufen und sehr attraktiv sind aufgrund der zu erreichenden 8 â€" 10 ECTS. Viele dieser Kurse laufen auch als Videokurse. Die UHI ist auf verschiedene Standorte aufgeteilt. Sollte man also einen persönlichen Kontakt bevorzugen, sollte man dies bei der Kurswahl unbedingt berücksichtigen. Das Ablegen der Prüfungen ist kein Problem, da es sich überwiegend um Hausarbeiten handelt, die man dann dem jeweiligen Dozenten zur Prüfung zu sendet. Generell sind diese sehr offen und hilfsbereit. Abgeprüft wird überwiegend in Form von Projekten, Fallstudien und Hausarbeiten, die meist nach Abschluss eines Themas bearbeitet und erstellt werden müssen. Die Vorbereitung dahin gehend ist wirklich sehr gut. Außerdem werden von den Dozenten alle Unterrichtsmaterialien über ‚Blackboard‘ zu Verfügung gestellt, ebenso wie hilfreiche Links zu Youtube, Zeitungen, Onlinebüchern usw. Die Gruppen sind klein und überschaubar. Ich persönlich zog es vor lieber mit einheimischen Studenten Gruppenarbeiten durchzuführen, damit ich die Chance hatte meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Einheimische Studenten kennen die Dozenten oft aus den früheren Semestern und können gute Tipps geben, was diese wollen. Während der Vorlesungen wird sehr viel Wert auf Mitarbeit und Kommunikation gelegt. Die Studenten werden von den Dozenten immer ermutigt ihre Meinungen und Ideen mit einzubringen. Daher gleicht es dann oft eher einer Diskussion als einer Vorlesung, was es aber sehr einfach macht persönlicher und direkter am Geschehen teilzunehmen und die Sprachkenntnisse aufzubauen und soziale Barrieren abzubauen. Die Dozenten werden mit Vornamen angeredet und waren so gut wie immer greifbar, wenn es ein Problem gab. Die Dozenten waren überwiegend Schotten mit unterschiedlichem beruflichen Hintergrund/Werdegang und jeglichem Alters. Das Gebäude der UHI befanden sich gerade im Umbau, was immer wieder zu Lärmbelästigungen führte. Aber es wurde versucht dies so gut wie möglich hinzubekommen. Da die Schotten generell gelassener sind, war das auch alles kein Problem. Man wechselte dann z. B. auch mal in die Räumlichkeiten der Friseure. Das Moray College besteht aus der UHI und einem beruflichen College. Des Weiteren werden in Schottland durch ein staatliches Programm Menschen im dritten Lebensabschnitt dazu angehalten sich weiterzubilden. Deshalb findet man der Bibliothek eine illustre Ansammlung von z. B. Friseusen, Köchen, BWL-, Psychologie-und Beauty-Studenten und Rentner oder Berufstätigen im Teilzeitstudium. Da dort Köche auch ausgebildet werden gibt es ein angeschlossenes Restaurant, wo man günstig essen kann.

Familienfreundlichkeit

In Schottland studieren sehr viele mit Kind, was von vornherein ein anderes Verständnis bedeutet und die Dozenten auf eventuelle Schwierigkeiten flexibler reagieren als in Deutschland. Wenn man sich nicht scheut, um Hilfe zu bitten oder sich an die örtlichen Gegebenheiten anpassen kann, ist es am Ende auch für die Kinder eine bereichernde Erfahrung.

Freizeit

Elgin liegt direkt zwischen Aberdeen und Inverness, am Rande der Highlands. Mit dem Bus ist man in nur 5 min an der See. Es gibt dort in der Region viele RAF’s Bases, was man daran merkt das es dort immer wieder Tiefflieger gibt. Es gibt ein sehr gut ausgebautes Busnetz, was sich mit den unterschiedlichsten Ticketangeboten wirklich sehr gut nutzen und ein Auto nicht sehr vermissen lässt. Eine Kreditkarte ist dort das bevorzugte Zahlungsmittel, selbst für Kleinstbeträge. In der Kleinstadt Elgin gibt es alleine zwei 24-h Shopping-Center, wo man 7 Tage die Woche einkaufen kann. Daran kann man sich sehr schnell gewöhnen. Ebenso an den hohen Servicegrad und die ausgesprochen hohe Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Auch wenn es nicht allzu viele Touristen in Elgin gibt, ist dort viel zu sehen. Da es hier durchschnittlich mehr Sonnentage als in Coburg gibt, kann man an einen der zahlreichen Strände mit dem Bus fahren und Robben sehen und mit viel Glück sogar Delphine. Zu empfehlen ist der "Moray Coast Trail". Das ist ein Weg entlang der schottischen Küste. Ich habe selbst einen Teilabschnitt von 7 Meilen versucht und wurde mit wunderschönen Ausblicken belohnt. Auf jeden Fall muss man eine der vielen Whiskybrennereien besucht haben. Für den Preis von ca. 6 Euro erhält man sogar mehrere Whiskys zur Verkostung. Ein Ausflug zum Loch Ness und der dortigen Ausstellung gehört natürlich auch dazu, ebenso wie der Glenfinnan-Viadukt aus dem Harry Potter Film oder das Schlachtfeld von Culloden. Im Ort selbst gibt es einige Cafés, wie Starbucks oder Costas und Sportkneipen, wo man als Student sogar Nachlass bekommt. Aber anders wie in Deutschland muss man dann bis 19.00 Uhr das Restaurant oder ähnliches verlassen, wenn man ein Kind dabei hat. Kinder bekommen auch keine Getränke an der Bar. Und wenn man in einem Raum sitzt an dem Bierausschank oder ein Spielautomat sich befindet, wird man mit Kind dort nicht bedient. Des Weiteren gibt es auch Nightclubs und ein Kino, ein Freizeitzentrum (Schwimmhalle, Fitnessstudio und Eislaufhalle). Von Inverness oder Aberdeen aus kann man auch gut und günstig nach Glasgow, Edinburgh oder auch mal London fliegen.

Resümee

Auch wenn es sich in der Vorbereitungszeit als organisatorisch sehr zeitraubend erwies, war es doch wert, dieses Vorhaben zusammen mit einem schulpflichtigen Kind gemacht zu haben. Ich habe viele neue Eindrücke, Erfahrungen und Anregungen sammeln können. Wir haben sehr viele nette Menschen kennenlernen dürfen und fanden neue Freunde, die es einem auch schwer machten wieder seine Koffer zu packen. Wir hatten wenig Zeit für Heimweh, wofür wir sehr sehr dankbar sind. Jetzt im Nachhinein bemühen sich beide Hochschulen sehr um die Anerkennung der Studienleistungen. Sogar dahingehend, dass Noten gesplittet oder zusammen gefügt werden, was vorher nicht so der Fall war. Anhand der Modulbeschreibungen und in persönlichen Gesprächen mit den Dozenten werden die Studienleistungen abgeglichen und geprüft, wo es Ãœbereinstimmungen hinsichtlich der Inhalte und ECTS gibt.

Empfehlungen

Wenn man mit einem Kind reist, sollte man sich aber darüber im Klaren sein, dass man noch viel mehr auf sich alleine gestellt ist als in der heimischen Umgebung und es auch da zu einigen unvorhergesehen Dingen kommen kann. Wenn man sich nicht scheut, um Hilfe zu bitten oder sich an die örtlichen Gegebenheiten anpassen kann, ist es am Ende auch für die Kinder eine bereichernde Erfahrung.

zurück zur Ergebnisliste