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Besuch aus der Heimat zur richtigen Zeit

Gina war mit Iuna in Guadalajara

Name
Gina
Nationalität
Deutschland
Land
Deutschland
Sprache
Deutsch
Stadt
Hamburg
Heimathochschule
Universität Hamburg
Studiengang
Lehramt
Abschluss
Staatsexamen
Status
Zeitraum
01.02.2013 - 31.05.2013
Kinder
Iuna (2)
Land
Mexiko
Sprache
Spanisch
Stadt
Guadalajara
Hochschule
Universidad de Guadalajara
Anlass der Reise
Auslandserfahrungen sammeln , Sprachkenntnisse erweitern , Chancen auf dem Arbeitsmark verbessern
Kriterien
Mobilitätsprogramm ich war noch nie in Lateinamerika passt zu meinem Studium familienfreundliches Land
Ansprechpartner vor Ort
Carlos Solis
Land
Mexiko
E-Mail
Internationale Office
Wie sind Sie ins Ausland gegangen?
im Rahmen einer Hochschulkooperation
Mobilitätsprogramm
Erasmus Studium
Dokumente
Wohnsituation

Ich habe vom International Office eine Liste mit netten und guten Vermieter_Innen bekommen. In Guadalajara gibt es viele gute und preiswerte Unterkünfte und es ist eigentlich kein Problem etwas zu finden. Aber für Iuna und mich war es gar nicht so leicht. Denn wer Kinder hat, lebt entweder alleine oder bei den Eltern. Und wer keine Kinder hat, lebt als Student_In bei den Eltern oder ist Austauschstudent_In und hat in diesem Fall eher weniger Lust mit einem Kind zusammen zu leben. Es hat mehr als drei Monate gedauert und nach zahlreichen Absagen war ich etwas verzweifelt. Ãœber andere Kontakte hat sich dann eine etwas teurere Möglichkeit aufgetan: ein Zimmer mit Bad in einer Art Mini-Hotel (Residencia).

Kinderbetreuung Kriterien

Über tausend Ecken kannte ich eine Kitaleiterin in Guadalajara. Wir haben uns die Kita angeguckt und Iuna wurde sehr freundlich aufgenommen. Dann waren wir noch probeweise bei einem Ausflug mit dabei und Iuna war überzeugt. Ausschlaggebend war, dass Iuna sich sicher fühlte und ich den Erzieher_innen vertraut habe. Die paar Dinge, die wirklich extrem anders gehandhabt wurden, haben mich auch nicht gestört. Ich empfand dies bereichernd für Iuna.

Kinderbetreuung Situation

Die Öffnungszeiten waren etwas "blöd", also 9-13h. Für mein Studium war das einfach zu kurz, weil ich auch noch knapp 30min Fahrtweg zwischen Uni und Kita einrechnen musste. Aber es war bezahlbar (etwa 15 Euro die Woche) in einer sehr guten und sicheren Gegend, direkt gegenüber von einem guten Spielplatz (die sind eher selten in Guadalajara). Die Kinder in der Kita waren einfach toll. So freundlich zu "Neuen" und solidarisch. Iuna war ungefähr in der Mitte was das Alter anbelangt.

Eindrücke des Kindes

Im Großen und Ganzen ist Iuna ein richtiger Mexiko-Fan geworden. Zumindest sagt sie bis heute begeistert "ja" wenn man sie fragt: Möchtest du noch einmal nach Mexiko? Die Kita war ok für sie. Es war natürlich hart, da sie fast gar kein Spanisch konnte am Anfang. Wir waren schon öfter in Spanien gewesen und dort hatte ich teilweise auch nur Spanisch mit ihr gesprochen, aber viel ist nicht hängengeblieben. Es war ertragbar, weil sie weniger Stunden da war als in Hamburg (8-16h). Darüber hinaus ist sie voll auf das Konzept "Materialschlacht" abgefahren. Jedes Mal wenn ich sie abholte, musste ich einen ganzen Korb gebastelter Dinge mitnehmen. Das läuft in ihrer Kita in Hamburg radikal anders. Mexiko ist ein Land, dass Kinder liebt. Die Kita hat in den vier Monaten, in denen wir da waren, drei große Ausflüge (Zoo, Ostereier suchen, Picknick im Park) mit allen Eltern bis hin zu Tanten und Neffen organisiert und es gab in der Stadt selbst noch zahlreiche kostenlose Kinderfeste mit Hüpfburgen und Clowns und Bonbons satt. Diese kindfreundliche Umgebung, die Selbstverständlichkeit mit der mit Iuna in Bus und Bahn und überall kurz gespielt oder zumindest freundlich interagiert wurde haben wir beide sehr genossen.

durchschnittlichen Lebenserhaltungskosten vor Ort

Unterkunft
290 Euro
Krankenversicherung
23 Euro
Versicherungen
5 Euro
Verpflegung
90 Euro
Verkehr
70 Euro
Kinderbetreuung
60 Euro
Sonstiges
100 Euro
Finanzierungsmöglichkeiten
Auslands-BAFöG
Motivation

Es klingt blöd, aber auf einmal stand das "Angebot" im Raum: eine Infoveranstaltung zu dem ISAP-Semester in Guadalajara. Und dann passte alles zusammen: Ich war in meinem vorletzten Semester, Iuna würde genau wenn wir zurückkehren in die Elementargruppe kommen (muss also nicht aus einer Gruppe raus und wieder rein) und ich wollte einfach diese einzigartige Chance, in Mexiko zu studieren, nicht vergehen lassen. Ich studiere Spanisch auf Lehramt und finde es unglaublich wichtig, wenigstens einmal in Lateinamerika gewesen zu sein.

Transportmöglichkeit

Der Flug war lang und anstrengend. Aber anders geht es ja nicht;) Ich glaube es ist gut, Kinder auf alles vorzubereiten. Ich fand ein Plastik-Flugzeug und da haben wir dann die dreifache Start/Landung durchgeführt. Oder z.B. schenkte eine Freundin Iuna einen kleinen Koffer. Auch hatte ich zwei neue Bücher besorgt etc. Wir haben darüber gesprochen, dass in Mexiko alles anders aussieht, die Straßen und die Bäume....und dass die Menschen dort nur Spanisch sprechen und dass es aber auch Kinder dort gibt und eine Kita etc. Solche ruhigen Gespräche und sich viel Zeit nehmen nach der Ankunft haben es Iuna meiner Meinung nach angenehm gemacht.

Orientierung vor Ort

Iuna war erst einmal krank. Sie hatte schon im Flugzeug leichtes Fieber bekommen. Es zahlte sich mehrfach aus in dem Minihotel und nicht alleine in einem Appartement gelandet zu sein. Ich konnte für die erste Woche ein kleines Frühstück für uns dazubuchen, hatte so mehr Zeit zur "Krankenpflege", EInkaufen und dem Eingewöhnen. Das Land und die Leute sind sehr sympathisch, gerade wenn man Spanisch spricht oder sich darum bemüht. Ich mochte die Straßen und die Atmosphäre gerne - manche Menschen stört es ja, wenn alles halbkaputt ist. Ich finde diese Kreativität und Reparatur-Fähigkeiten großartig. Das erste autobus fahren war lustig. Ich musste mich erst in Kampflaune bringen um einen Platz in der Metro zu bekommen, denn zur "Rush hour" ist Höflichkeit fehl am Platz weswegen wir oft drei Metros verpasst haben. Mir wurde gesagt, welche Straßen sicher sind und welche ich eher meiden sollte. Ich fühlte mich die ganze Zeit über sehr sicher in unserem Viertel und in der Stadt allgemein, wenn ein paar Regeln beachtet werden.

Verpflegung

Wir haben nichts vermisst. Wichtig ist vielleicht, dass alles Obst und Gemüse sehr sorgfältig gewaschen werden muss! Und natürlich kein Badewasser in den Mund bekommen!

Studienablauf

Ich wurde sehr kompetent betreut. Fast alle Professor_Innen haben auf meine Situation Rücksicht genommen. Einen Sprachkurs braucht ich nicht.

Familienfreundlichkeit

Schlecht. Weder Wickel- noch Stillmöglichkeiten noch Kitas an Hochschulen (also für mich zugängliche). Ein paarmal musste ich Iuna mit zu einem Seminar nehmen und es war für alle eher ungewohnt. Nicht feindlich, aber auch nicht gerne gesehen. Ã"hnlich wie in Hamburg. Spielplätze die nicht in reicheren Gegenden liegen sind grauenhaft bis gefährlich. Es gibt eine Reihe sehr netter Parks, teilweise mit Enten, Pferden oder Schmetterlingen etc. Aber da muss man auch erst mal hinkommen. Die Stadt ist laut und staubig. Ich fand es trotzdem gut. Für meine Mutter, die uns zwei Wochen besuchte, ging es gar nicht.

Tagesablauf

7h aufstehen und Frühstück 8h los zur Kita 9h-12.30 Uni/lernen 13-14h Spielplatz 14-16h Iunas MIttagsschlaf / Lernen und Kochen 16h Essen und ab nach draußen > Park oder Spielplatz, Freunde besuchen oder einfach Einkaufen gehen, Aufräumen, Baden, Bücherhalle etc. 19.30 Abendessen Schlafen

Freizeit

Wir haben meistens Ausflüge zu zweit gemacht. Ich habe nicht so richtig Anschluss an die viel jüngeren Studierenden gefunden, sondern viel mehr in der Nachbarschaft Freunde gefunden. So haben wir oft Nachbarskinder besucht oder eingeladen, beim Laden um die Ecke länger geschnackt oder zusammen Spielplätze der Gegend besucht. Ich habe mich bemüht jedes Wochenende ein Programm zu bieten, sei es ein neuer Park oder See, auf dem man vielleicht sogar mit einem Boot fahren kann (Ausflug zum Chapala-See) oder mal in die Berge am Rand der Stadt. EInmal sind wir auch ans Meer gefahren. Zu erwähnen ist auch der "Tag des Kindes", das war ungefähr wie Karneval in Köln für Kinder.

Resümee

Es war großartig und ich würde es wieder machen. Gold wert war der Besuch der "Oma" zur rechten Zeit (ungefähr einen Monat nach unserer Ankunft als ich das erste mal krank wurde und Iuna gerade Heimweh bekam). Ich hatte mir nicht zuviel für die Uni vorgenommen und habe fast alles erreicht. Enttäuscht war ich über die Bibliotheken. Mein Plan, Literatur für meine Examensarbeit zu sammeln ist gründlich gescheitert. Dafür sind die Seminare und hier vor allem die Mitarbeit der Studierenden von einer höheren Qualität als in Deutschland. Ich habe sehr viele Anregungen mitgenommen.

Informationen Familienbild

Studieren mit Kind ist normaler in Mexiko als in Deutschland. Aber es läuft anders ab. Die Kinder werden nicht in die Uni integriert, sondern extern betreut. Ein Auslandssemester mit Kind wird als sehr exotisch und mutig angesehen. Die Menschen sind die freundlichsten und hilfsbereitesten die mir je begegnet sind. Und das lag vor allem an Iuna. Wenn ich mit ihr unterwegs war fühlte ich mich sicherer, wir kamen nie in eine blöde Situation und uns wurde immer sofort geholfen, freundlich entgegengekommen etc. Ich glaube Mexiko mit Kind ist besser als Mexiko ohne Kind.

Empfehlungen

Es hilft ungemein ein paar Kontakte vorher zu haben. Also ein paar "Notfalladressen" von Freunden von Freunden von Bekannten zur Not. Dann lernt man auch das Land viel besser kennen. Je früher geplant desto entspannter und besser für das Kind. Sich anpassen und Alltagshandlungen von Menschen abgucken (wenn in der Metro alle ihren Rucksack vor den Bauch binden, dann mach das auch! Und wenn die Ananas vor dem Schälen noch mit Spüli gewaschen wird, dann auch besser so machen:) Mutig sein!

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