Erfahrungsberichte finden

Vielfältig & spannend

Melina war mit Emil in Pretoria

Name
Melina
Nationalität
deutsch
Land
Deutschland
Sprache
Deutsch
Stadt
Konstanz
Heimathochschule
Universität Konstanz
Studiengang
Soziologie
Abschluss
Master
Status
Student/in
Zeitraum
01.07.2012 - 31.01.2013
Kinder
Emil (3)
Partner
Nathan (Student/in)
Land
Südafrika
Sprache
Englisch
Stadt
Pretoria
Hochschule
University of Pretoria
Anlass der Reise
Studiengangsintegriertes (verpflichtendes) Auslandsstudium
Sonstiges, und zwar
Pflichtauslandssemester für einen Elternteil. Da wir zusammenbleiben wollten, haben beider Elternteile ein Auslandssemester organisiert.
Kriterien
Partnerhochschule, Vorgabe des Studiengangs
Ansprechpartner vor Ort
International Office
Wie sind Sie ins Ausland gegangen?
im Rahmen einer Hochschulkooperation
Mobilitätsprogramm
nein
Dokumente
Auslandskrankenversicherung , Studierendenvisum , Kinderausweis(e) , Reisepass , Kindervisum , Einschreibungen / Zulassungen für Gasthochschule
Sonstiges, und zwar
Nachweis über die finanzielle Situtaion, Nachweis über den Gesundheitszustand
Wohnsituation

Der Studiengang welcher das Pflichpraktikum organisert unterhält sehr engen Kontakt zu einzelnen Professoren an der Universität Pretoria. Dadurch konnten wir in direkten Kontakt zu einem deutschsprachigen Professor treten welcher uns dann den schnellsten Weg zur Vermittlung eines Uni-Apartment gezeigt hat. Wir konnten somit schon vor unserer Anreise die Wohnungssuche abschließen. Das Apartment wurde uns direkt von der Universität gestellt, es handelte sich hierbei um eine Wohnung auf einem der Campuse der Universität Pretoria.

Kinderbetreuung Kriterien

Wir haben nicht im Vorfeld eine Kinderbetreuung organisieren können und suchten dann erst vor Ort nach einer passenden Einrichtung. Uns war die Nähe zu Universität, sowie der erste Eindruck der Einrichtung sehr wichtig.

Kinderbetreuung Situation

Wir fanden relativ schnell (über das beständige Nachfragen bei Dozenten welche selbst Kinder haben) eine Einrichtung direkt in Campus Nähe. Der Erstkontakt verlief ganz unproblematisch am Telefon, man hat uns dann gesagt wann wir vorbei kommen können um die Einrichtung anzuschauen. Wir haben uns dann (auch mangels Alternativen) aber auch weil die Betreuungspersonnen sehr nett waren und das Haus auch über einen schönen großen Spielplatz verfügte für die Olke Bolke Spelskool entschieden. Die Betreuung erfolgte dann immer nach Absprache. Wir haben dann bspw. vereinbart das unser Sohn für 3 Wochen jeweil 3 Tage vormittags mit Mittagessen kommt, dann (da der Opa zu Besuch war und die Betreuung übernahm) wieder nur an einzelnen Tagen etc. So mussten wir keine Monatspauschale bezahlen sondern haben die Tage am Ende unseres Aufenthalts einzeln abgerechnet. Der Monatsbeitrag für ein Kind unter drei Jahren für einen Platz von 7-17 Uhr beträgt in etwa 140,-. Die Eingewöhnung fand allerdings quasi nicht statt, was für Kind und Eltern gleichermaßen erschreckend war. Allerdings sollte man dies im Vorfeld konkret absprechen und sich nicht wundern wenn die Vorstellung hier sehr von denen aus Deutschland gewohnten abweichen.

Eindrücke des Kindes

Emil fand das Land, die Tiere, das Reisen und fliegen sehr toll und spannend. Die Kita war für ihn allerdings schon sehr anstrengend, da er weder die Sprache der Kinder noch die der Betreuerinnen verstanden hat (in Südafrika gibt es ja schon allein elf offizielle Landessprachen sowie noch sehr viele weitere Dialekte). Auch waren die Regeln etwas strenger, die Gruppen größer, die Räumlichkeiten begrenzter. Auch waren immer nur 2 Betreuerinnen für 20 Kinder von 2-6 Jahren da (inkl. Kita Leiterin). Hatte eine von den beiden frei, so war nur noch eine weitere Hilfsbetreuerin da. Emil hat in der Zeit etwas englisch gelernt und fand es toll mit anderen Kindern zu singen und zu tanzen. Auch das malen, basteln etc gefiel ihm sehr gut.

durchschnittlichen Lebenserhaltungskosten vor Ort

Unterkunft
700 Euro
Krankenversicherung
30 Euro
Verpflegung
200 Euro
Verkehr
100 Euro
Studiengebühren
180 Euro
Kinderbetreuung
100 Euro
Sonstiges
200 Euro
Finanzierungsmöglichkeiten
Job einer mitgereisten Partnerin / eines mitgereisten Partners , eigener (Neben-)Job , Erspartes , Elterngeld
Motivation

Wir wollten als Familie zusammen bleiben und gemeinsam die Erfahrung des Leben und Reisen im Ausland machen. Zudem erschien es uns einfacher dies jeweils gemeinsam zu organisieren. Wir studieren beide uns sind es gewohnt die Betreuung, unsere Studentpläne und Arbeitszeiten jeweils abzustimmen und gemeinsam zu leisten. Daher wollten wir dies auch beim Studium im Ausland weiterhin so machen. Dies hat sich auch sehr gut bewerkstelligen lassen.

Transportmöglichkeit

Wir sind von Frankfurt über Dubai nach Johannesburg geflogen (ca. 20 Stunden). In Südafrika ist ein Auto (vor allem beim Aufenthalt mit Kind) sehr wichtig. Die Städte sind nicht auf Fußgänger ausgelegt, die öffentlichen Verkehrsmittel eher schwierig und die Distanzen weit.

Orientierung vor Ort

Die Ankunft in Johannesburg haben wir mit couchsurfern organisiert. Ein etwas älteres Ehepaar aus einem der nobleren Viertel Joburgs hat uns für 2 Tage bei sich aufgenommen. Wir wurden von ihnen direkt (spätabends) am Flughafen abgeholt, hatten ein schönes Wochenende bei ihnen und wurden von ihnen sogar spontan nach Pretoria gefahren (ca. 45 min Fahrtzeit) da sich die Anreise mit Kind und Gepäck über den "Gautrain" zwar hätte organisieren lassen, aber doch sehr anstrengen und ungewiss geworden wäre. Da wir im Vorfeld der Reisevorbereitung so einige Schwieriegkeiten hatten (das Visum kam nicht rechtzeitig) waren wir sehr sehr positiv überrascht wie einfach sich dann Vorort in Südafrika alles organisieren lies. Wir haben in den ersten zwei Wochen die universitären Angelegenheiten klären können, ein Auto gekauft und für unseren Sohn eine Kinderbetreuung gefunden. Es war eigentlich jeder sehr aufgeschlossen, hilfsbereit und neugierig wie ein 2 jähriger Junge aus Deutschland an einer südafrikanischen Universität kommt.

Verpflegung

Das Angebot der Nahrungsmittel entspricht etwa dem in Europa. Manche Dinge sind natürlich aufgrund des weiten Importweges um einiges teurer, aber nicht unbezahlbar und fast überall zu bekommen. Natürlich müssen Reisen in weiter abgelegene Gebiete dementsprechen anders vorbereitet werden, aber dies gilt nicht nur für spezielle Säuglingsnahrung sonder auch für die normale Verpflegung, da die Wege in Südafrika weit sind und in ländlicheren Gebieten die Supermarkt Dichte rapide abnimmt.

Studienablauf

Man wird von der Universität Pretoria sehr organisiert aufgenommen. Man durchläuft ein bestimmtes Aufnahmeprozedere das mehr oder weniger reibungslos abläuft (inkl. Bibliotheksausweis, Internetzugang etc.) Den Studenplan muss man ebenfalls gleich in der ersten Woche fix angeben (da hierfür die Gebühren berechnet werden und falls man als visiting student die Kosten selbst trägt auch gleich zu beginn angezahlt werden müssen). Am besten ist es die Dozenten möglichst früh in der Sprechstunde aufzusuchen um Prüfungsleistungen, Examenszeiten, Seminarszeiten bestmöglich abzuklären. Alle Personen waren sehr hilfsbereit und freundlich. Ob aus dem International Office, aus den Departments oder aus der Verwaltung.

Familienfreundlichkeit

Da die südafrikanischen Studenten für gewöhnlich sehr viel jünger sind als europäische Studenten gibt es eigentlich kaum studentische Eltern. (Das Studium ist auch sehr teuer und wer über ein Stipendium die Kosten finaniziert steht unter hohem Druck sehr gute Leistungen zu erbringen. Es kommen also verschiedene Faktoren zusammen warum es kaum studentische Eltern gibt.) Allerdings gibt es immer häufiger ausländische Mitarbeiter, Gastdozenten etc. mit Kindern wodurch die Unviersität zumindest die Wohnraumangebote daran ausrichtet. Allerdings liegen die Familienapartments in einer ganz anderen Preisklasse als die Studentenwohnheime.

Tagesablauf

Morgens Spelskool, Aufenthalt auf dem Campus (mit befreundeten Studenten), auf dem nach Hause weg bei unserem Lieblingsspielplatz im Magnolia Dell Park vorbei, im Groenkloof Plaza noch für das Abendessen im Spar einkaufen und dann den restlichen Nachmittag im eigenen Garten sitzen und die Sonne genießen. Sobald unser Sohn im Bett war wurde für die Uni gearbeitet.

Freizeit

An Wochenenden haben wir häufig mit Freunden gegrillt, Ausflüge (Safari, Naturwunder, Museen, Joburg etc) gemacht, Freunde besucht oder einfach nur unseren Garten und das tolle Wetter genoßen. Gerne sind wir auch schon zum Frühstück oder zum Picknicken in einen nahegelegenen Park gefahren, wo es einen schönen Spielplatz, eine Eisdiele, ein gemütliches Restaurant und viele Kinder und herrliche Bäume gab.

Resümee

Für uns war der Auslandsaufenthalt ein voller Erfolg. Wir hatten eine großartige Zeit. Das Studium hat uns sehr gut gefallen, die Universität, der Campus und die anderen Studenten waren sehr angenehm und einladend. Das Reisen nach dem Semester ist ein Muss (sollte allerdings sorgfälltig geplant sein und dennoch für Ãœberraschungen offen!). Finanziell betrachtet ist Südafrika nicht billig. Sobald man sich einen gewohnten Standard leisten möchte, hat man die selben (teilweise höhere) Kosten. Autos sind bspw. sehr viel teurer in der Anschaffung (ab 3 Monaten kann man Autos mit buy back option kaufen und am Ende des Aufenthalts wieder verkaufen). Auch die Studiengebühren sind hoch. Daher sollte möglichst früh über die Finanzierung nachdenken und verschiedene Möglichkeiten berücksichtigen. Auch sollte der Visumsantrag wirklich wirklich frühzeitig organisiert werden und beständig im Blick behalten werden. Es kann schon mal vorkommen das man schlicht vergessen wird bearbeitet zu werden und dann das Visum noch selbst abholen muss (in München oder Berlin).

Informationen Familienbild

Studenten mit Kind gibt es eigentlich nicht. Hilfsbereitund kinderfreundlich sind die Leute aber schon (auf dem Campus wie auch im normalen Leben). Allerdings gibt es eine sehr hohe Armutsrate in Südafrika dementsprechend auch viele arme Kinder. Am Straßenrand bettelnde Mütter mit Baby auf dem Rücken gehören eben so zum Alltagsbild wie aufgemotze Babyprinzessinnen und Prinzen in eigenen Elektroautos und Markenkleidern.

Empfehlungen

Südafrika ist ein sehr vielfältiges und spannendes Land welches durch diese Spannungen viel Energie und Kreativität ausstrahlt und sehr mitreißend werden kann. Die Kriminalität sollte einen nicht abschrecken, den Respekt vor den vielen unterschiedlichen Menschen und Biographien sollte man aber nicht verlieren und sich immer an den örtlichen Gepflogenheiten orientieren ("be streetwise")!

zurück zur Ergebnisliste