Erfahrungsberichte finden

Mit Kind im Studentenwohnheim mit Charme

Martin war mit Lucca Ãse in Bergen (Hordaland)

Name
Martin
Nationalität
deutsch
Land
Deutschland
Sprache
Deutsch
Stadt
Leipzig
Heimathochschule
Hochschule für Graphik und Buchkunst (HGB)
Studiengang
Medienkunst
Abschluss
Diplom
Status
Student/in
Zeitraum
01.01.2008 - 31.07.2008
Kinder
Lucca Ãse (0)
Partner
Susanne (Student/in)
Land
Norwegen
Sprache
Norwegisch
Stadt
Bergen (Hordaland)
Hochschule
Kunsthogskolen i Bergen (KHiB)
Anlass der Reise
Auslandserfahrungen sammeln
Ansprechpartner vor Ort
Kari Bjorgo Johnsen
Land
Norwegen
E-Mail
kari.b.johnsen@khib.no
Wie sind Sie ins Ausland gegangen?
im Rahmen einer Hochschulkooperation
Mobilitätsprogramm
Erasmus Studium
Dokumente
Auslandskrankenversicherung , Learning Agreement , Reisepass , Einschreibungen / Zulassungen für Gasthochschule , Empfehlungsschreiben / Motivationsschreiben
Wohnsituation

Die Unterkunft im Studentenwohnheim Fantoft wurde mir durch das Austauschprogramm vermittelt, ich musste mich also selbst nicht weiter kümmern. Das Fantoft Studentboliger ist ein großer Komplex aus mehreren Wohnblöcken, besitzt einen sehr eigenen Charme, da es vermutlich in den 60er oder 70er Jahren als Plattenbau errichtet wurde und sowohl innen als auch außen eher puristisch wirkt, eigentlich sieht man nur Beton und Holzvertäfelung. Die Wohnungen sind zweckmäßig, haben Bad und Küche und in unserem Fall war es eine zweier WG, die ich erst allein und dann mit meiner Freundin und unserer Tochter mit einer Komillitonin teilte. Es gibt aber von Einzelwohnungen bis hin zu sechser Appartments eigentlich alles. Wie wir leider erst viel später erfuhren, gibt es auch richtige Familien-Wohnungen. Im Fantoft sind vorwiegend ausländische Studierende untergebracht. Es gibt verschiedene Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung direkt im Wohnheim und sehr positiv: es gibt eine Kinderwagengarage. Ich denke, an Wohnheimplätzen mangelt es in Bergen nicht. Obwohl sie ein ganzes Stück teurer sind als in Leipzig, erst recht, wenn ich die Ausstattung und Lage (ein ganzes Stück vom Stadtzentrum entfernt) des Fantoft mit einem Leipziger Wohnheim vergleiche. Aber sicher gibt es auch in Bergen zentralere und hübschere Wohnheime als das Fantoft - die dann aber vermutlich auch nochmal mehr kosten. Nach dem ersten kleinen Schock hatten wir uns aber recht fix an den eigenen Charme des Wohnheims gewöhnt. Über die allgemeine Wohnungslage in Bergen kann ich eher weniger sagen.

Kinderbetreuung Kriterien

Wir benötigten ja keinerlei Kinderbetreuung, da Lucca ja in Norwegen überhaupt erst geboren wurde. Deshalb würde ich hier lieber etwas zur Vorsorge während der Schwangerschaft und dem Gesundheitssystem schreiben: Will man zu einem Arzt oder eben zur Schwangerschaftsvorsorge bzw. Vorsorgeuntersuchungen für`s Kind geht man in eine Helsestasjon. In welche man geht, richtet sich nach dem Stadtteil in dem man wohnt. Die Norweger gehen mit der Schwangerschaftsvorsorge um einiges entspannter um als es in Deutschland gehandhabt wird. Meine Freundin ist regelmäßig zur Hebamme gegangen, diese fragte dann nach Susannes Befinden, hörte die Herztöne vom Kind ab und tastete den Bauch ab, beantwortet Fragen und gibt einem Tipps und Infos zu allen Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Stillen und Nachsorge. Solange es keine besonderen Vorkommnisse gibt, wird auch nichts weiter an Untersuchungen vorgenommen. Es gibt nur einen einzigen Ultraschall in der 18. Schwangerschaftswoche. Sobald es aber irgendwelche Auffälligkeiten im Schwangerschaftsverlauf gibt, wird man selbstverständlich ins Krankenhaus überwiesen zu weiteren Untersuchungen. Alles in allem haben wir uns bestens betreut gefühlt! Die Kosten hat Susannes deutsche Krankenversicherung übernommen, da diese auch in den EU-Ländern und Norwegen "ganz normal" wie in Deutschland mit Ã"rzten und Co. abrechnen kann. Sie brauchte also ganz normal nur ihre Versichertenkarte vorlegen und ein paar persönliche Daten angeben.

Kinderbetreuung Situation

Norwegen ist ein sehr familien- und kinderfreundliches Land und wir haben sehr viele Kindergärten gesehen. Ich denke, es wäre kein Problem gewesen für Lucca einen Betreuungsplatz zu finden, obwohl es in Bergen auch jede Menge Kinder gibt. Auch an unser Wohnheim ist ein Kindergarten angegliedert. Betreuungskosten gibt es in Norwegen soweit wir wissen nicht (ob das für ausländische Studenten anders ist, können wir nicht sagen, aber wir vermuten nicht). Auch von den Betreuungszeiten ist man dort sicher sehr flexibel, da eigentlich alles getan wird, damit Eltern eine gute Betreuung für ihre Kinder haben und trotzdem arbeiten/studieren können.

Eindrücke des Kindes

Vermutlich hat es für Lucca keinen Unterschied gemacht, ob sie die ersten Wochen ihres Lebens in Norwegen oder in Deutschland verbracht hat. Da wir, vor allem natürlich Susanne und Lucca sehr gut betreut wurden, die Vorsorge, Entbindung, Nachsorge, "U-Untersuchungen", Stillberatung etc. einfach nur großartig waren, würden wir sagen, dass es in Deutschland auf keinen Fall besser hätte laufen können. Vielleicht kann man also doch sagen, dass es Lucca gefallen hat, zumindest hat es ihr gut getan.

durchschnittlichen Lebenserhaltungskosten vor Ort

Unterkunft
280 Euro
Krankenversicherung
86 Euro
Verpflegung
260 Euro
Verkehr
120 Euro
Sonstiges
800 Euro
Finanzierungsmöglichkeiten
Auslands-BAFöG , Job einer mitgereisten Partnerin / eines mitgereisten Partners , Erspartes , Elterngeld
Motivation

Die Zusage für das im Januar beginnende Semester erhielt ich erst Anfang Dezember 2007. Zu diesem Zeitpunkt war meine Freundin gerade im 4. Monat schwanger. Da der Entbindungstermin noch kurz vor Ende des meines Auslandssemester lag, wir aber natürlich während der Schwangerschaft und vor allem zur Geburt gern zusammen sein wollten, stellte sich für uns die Frage, ob und wenn wie ich das Auslandssemester antreten kann. Neben den Möglichkeiten, das Semester eher zu beenden und hoffentlich rechtzeitig zur Geburt meiner Tochter zurück zu sein oder erst gar nicht zu fahren, kamen wir relativ schnell auf den Gedanken zusammen nach Bergen zu gehen und unsere Tochter dort zur Welt zu bringen. Wir haben dann relativ lange das Für und Wider abgewogen. Da vier Wochen quasi keine Vorbereitungszeit für ein Auslandssemester sind (selbst, wenn man allein weggeht), bin ich erst allein nach Bergen gegangen. Susanne kam mich dann im Februar für ein paar Wochen besuchen. Nachdem wir immer wieder schwankten, entschieden wir uns schließlich doch dafür unsere "Once in a Lifetime Opportunity" (so nannte eine deutsche Bekannte, die in Norwegen lebt und dort auch zwei Kinder bekommen hat unsere Möglichkeit) zu nutzen.

Transportmöglichkeit

Wir sind jedes Mal mit dem Flugzeug nach Bergen bzw. zurück nach Deutschland gereist. Das ging sowohl mit meiner schwangeren Freundin als auch auf der Rückreise mit unserer sechs Wochen alten Tochter bestens. Passt man einen günstigen Buchungszeitpunkt ab, gibt es recht billige Direktflüge. In Bergen waren wir mit dem Bus unterwegs und ein paar Mal auch mit dem Taxi. Beides recht kostspielig. Studenten können sich jeden Monat eine neue Buskarte kaufen, was die günstigste Variante ist (ich glaube, die Karte hat jedesmal umgerechnet 45,-€ gekostet, also immer noch ziemlich teuer). Da man zum Kauf dieser Karte aber einen internationalen Studentenausweis und die Studienbescheinigung einer Bergenser Hochschule benötigt, meine Freundin aber beides nicht besaß, musste sie die teureren Zehnerkarten kaufen. In jedem Fall lohnt sich also die Anschaffung eines internationalen Studentenausweises, da nicht überall der deutsche akzeptiert wird. Den Kinderwagen mussten wir immer in den Bus hineinheben, da jeder Bus Stufen hat. Ist man allein unterwegs springt aber eigentlich immer mindestens ein netter Passagier auf um mit anzufassen. Teilt man sich mit mehreren Leuten das Taxi, z.B. abends zurück zum Wohnheim, ist es auch nicht mehr so teuer und manche Taxifahrer machen auch einen Festpreis zum Fantoft, erst recht für junge Familien. Sehr positiv ist auch, dass man bei jedem bestellten Taxi eine Babyschale mit ordern kann.

Orientierung vor Ort

Anfang Januar sind wir, alle Austauschstudenten, zu einem Organisationtreffen in das Hauptgebäude gerufen wurden. Nach unserer Ankunft bekamen wir erste Informationen über Struktur und Lage der einzelnen Institute sowie eine kleine Führung durch die Gebäude und die Innenstadt. Anschließend gab es ein Treffen mit den Professoren und Tutoren unseres Instituts, welche uns durch die Werkstätten, Computerräumen und die Atelierplätze führten. Alles in allem war die Ankunft und Orientierungsphase einfach und unkompliziert.

Verpflegung

Prinzipiell kann man in Norwegen genau die selben Lebensmittel kaufen wie in Deutschland. Allerdings kosten fast alle Lebensmittel viel mehr, vor allem Obst/Gemüse und Fleisch sind sehr kostspielig. Wenn wir Fleisch gegessen haben, gab es eigentlich nur Hähnchen. Rindfleisch ist quasi nicht zu bezahlen. Dafür gab es sehr günstig jede Menge frischen Fisch und andere Meerestiere. Direkt am Wohnheim gibt es einen Safari, eher einer der teureren Supermärkte - aber natürlich sehr praktisch. Allerdings sollte man immer besser etwas Bargeld da haben, zum nächsten Geldautomaten ist es ein ganz schönes Stückchen und Karten akzeptiert man dort nicht. Zu anderen Supermärkten läuft man dann schon eine Weile, bergauf bergab und meistens beim typisch bergenser Dauerregen. In der Innenstadt gibt es aber auch recht viele Einkaufsmöglichkeiten, auch eher günstigere wie Rema1000, Rimi und Lidl. Auch für Säuglinge und Kleinkinder bekommt man ganz leicht alle nötigen Dinge; Brei, Windeln, Pflegeartikel, Fläschchen und so gibt es im Supermarkt und in Drogerien. Eigentlich ist alles sehr ähnlich wie in Deutschland. Kleidung für Lucca haben wir größtenteils bei Lindex gekauft, recht günstig und total schön. Ansonsten gibt es natürlich auch Babyausstatter für größere Anschaffungen.

Studienablauf

Grundsätzlich unterschied sich der Ablauf nicht viel von meinem bereits gewohnten Ablauf an meiner Heimathochschule. Jede Woche begann mit einem "Montags-Treffen" im Institut, bei welchem administrative und organisatorische Fragen gestellt und beantwortet wurden, einzelne studienrelevante Projekte vorgestellt sowie -immer und immer wieder- auf einzelne Vorlesungen und Seminare hingewiesen wurde, für welche man sich zuvor auf der Internetseite eintragen sollte. Ich habe dies an dieser Stelle nicht vor genommen, sondern mich direkt mit den Dozenten abgestimmt. Alle 3-4 Wochen hatte ich eine Einzelkonsultation mit meinem Professor wahrgenommen. An Sprachkursen habe ich nicht teilgenommen.

Familienfreundlichkeit

Familien- und Kinderfreundlichkeit wird in Norwegen sehr sehr groß geschrieben! Studieren und arbeiten mit Kind ist ganz selbstverständlich und man wird bei der Organisation des Alltags auch sehr unterstützt. Direkt ans Fanftoft-Wohnheim ist ein Kindergarten angeschlossen und es gibt eine Kinderwagengarage im Wohnheim. Kinder sind überall gern gesehen, es gibt viele Wickelmöglichkeiten und stillende Mütter sind ein ganz normales Bild in der Öffentlichkeit, auch wenn die Kinder aus dem Babyalter schon raus sind. Wir wurden häufig auf Lucca angesprochen, jeder freute sich mit uns und begrüßte das "Lille venn" (kleiner Freund), wie Norweger Babys nennen..

Tagesablauf

Als Lucca geboren war Ende Mai war mein Semester schon so gut wie vorbei, insofern hatten wir keinen typischen Tag als Student mit Kind in Bergen. Hätte ich noch Veranstaltungen gehabt, hätte sich meine Freundin den Tag über um unsere Tochter gekümmert und ich wäre quasi ganz normal an die Hochschule gegangen.

Freizeit

Als ich in der ersten Zeit allein in Bergen war habe ich zweimal größere Ausflüge mit Ãœbernachtungen gemacht. Als meine Freundin dann auch in Norwegen war sind wir vor Luccas Geburt abends zu Ausstellungseröffnungen gegangen oder haben uns mit Komillitonen getroffen, Museen angeschaut, wenn möglich das schöne Wetter genossen und waren einfach in der Innenstadt unterwegs, sind spazieren gegangen und Eis essen (Deli de Luca ist super, treibt einen aber mit älteren Kindern vermutlich in den Ruin). Nach Luccas Geburt hat sich nicht so viel geändert, da sie ja sehr viel geschlafen hat. Wir hatten eigentlich nicht viel mit einheimischen Studenten zu tun, was wir im Nachhinein recht schade fanden. Sicher hätten wir das aber mit ein bisschen mehr Eigeninitiative ändern können, meist gibt es ja auch direkt Erasmus-Angebote um ein bisschen besser in Kontakt mit anderen Studierenden zu kommen.

Resümee

Die Zeit in Bergen war toll und eigentlich zu kurz. Die Menschen dort sind sehr nett, keineswegs "unterkühlte Nordlichter" wie immer so gesagt wird. Vor allem meine Freundin hätte gern besser norwegisch gelernt, auch wenn man mit Englisch überall prima klarkommt, ist es ja schon toller die Landessprache zu beherrschen. Aber insgesamt hätte es für uns wirklich nicht besser laufen können. Für Susanne und mich war es die beste Entscheidung überhaupt nach Norwegen zu gehen und dort unser Kind zu bekommen!

Informationen Familienbild

Das norwegische Familienbild ähnelt dem deutschen sehr, beide Elternteile sind absolut gleichberechtigt, auch in der Versorgung des Kindes. Während ich in Deutschland häufig noch das Gefühl habe, dass den Müttern der Großteil der Kinderversorgung zugesprochen wird, wird der Vater in Norwegen ganz selbstverständlich gänzlich mit eingespannt. Eine Hebamme sagte uns sogar mal, dass der einzige Unterschied zwischen mir und meiner Freundin in der Versorgung unserer Tochter sei, dass ich sie nicht stillen kann.

Empfehlungen

Ein bisschen mehr Planung als wir im Vorfeld gemacht haben, kann sicherlich nicht schaden. Aber im Endeffekt hat bei uns ja auch alles prima geklappt. Nicht ins Ausland zu gehen, weil man ein Kind erwartet, ist jedenfalls (zumindest bei den "westlichen" Ländern) Blödsinn. Allerdings solltet ihr euch im Vorfeld vor allem auf den deutschen Behörden genau erkundigen, welche Unterlagen ihr braucht, um auf der Botschaft den Pass für euer Kind beantragen zu können (Vaterschaftserklärung, Sorgeerklärung, Namenserklärung etc.). Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr uns sehr gern kontaktieren.

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