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Entscheidung zwischen Groß- und Mittelstadt

André war mit Tim und Sophia in Debrecen

Name
André
Nationalität
deutsch
Land
Deutschland
Sprache
Deutsch
Stadt
Paderborn
Heimathochschule
Universität Paderborn
Studiengang
Wirtschaftsinformatik
Abschluss
Diplom
Status
Student/in
Zeitraum
01.02.2007 - 07.07.2007
Kinder
Tim (1) , Sophia (5)
Partner
Stefanie (Student/in)
Land
Ungarn
Sprache
Ungarisch
Stadt
Debrecen
Hochschule
University of Debrecen
Anlass der Reise
Auslandserfahrungen sammeln , Chancen auf dem Arbeitsmark verbessern
Kriterien
Wir haben also zunächst mal damit begonnen, dass Gastland auszuwählen u.a. anhand von auf unsere Situation (zwei Kinder im Alter von 5 und einem Jahr) angepasster Kriterien: uns war zunächst klar, dass ich ein Auslandssemester machen, also den Aufenthalt direkt für das Studium nutzen wollte. Weiterhin wollten wir uns, aufgrund geringerer organisatorischer Arbeit für uns (das Akademische Auslandsamt hat sich sehr gut um uns gekümmert!), für eine Partneruniversität meiner Heimathochschule entscheiden. Aus dem Auswahlkatalog der infrage kommenden Hochschulen (Beschränkung auf die Bereiche Wirtschaftswissenschaften und Informatik sowie englischsprachigen Unterricht) schlossen wir zunächst mal alle nicht-europäischen Länder aufgrund der zu großen Distanz aus (Distanz war einfach ein persönlicher Grund für uns, für andere kann es ein wesentliches positives Kriterium sein). Wir wollten die Reise mit dem PKW antreten. Einfacher Grund: wer mit Kindern verreist, wenn auch nur für ein Wochenende, könnte mit dem Gepäck gut vier Wochen überbrücken. Soll heißen: die Kinder benötigen einfach ein paar mehr Utensilien bei so einer Reise als ein erwachsener Student. Und diese ganzen Utensilien vor Ort neu zu erwerben ist (für uns) schlicht unmöglich gewesen. Das Auto musste mit. Deshalb war Australien raus. Als realistische Ziele, die all unseren Kriterien entsprochen haben, blieben letztlich drei Universitäten in zwei Ländern übrig: "Ecole de commerce et école de management ESC CERAM Sophia Antipolis" in der Nähe von Nizza in Frankreich sowie die "Eötvös Lorand Universität, ELTE" in Budapest und die "University of Debrecen", beide in Ungarn. Informationen über die Universitäten bekamen wir über die Webseiten der jeweiligen Unis, generell aus dem Internet oder aus Erfahrungsberichten ehemaliger Austauschstudenten, die auf den Webseiten des Akademischen Auslandsamtes zur Verfügung stehen. Nach einem persönlichen Gespräch mit dem jeweiligen Professor an meiner Heimatuniversität fiel unsere endgültige Entscheidung zugunsten Debrecens aus. Wir haben uns gegen Budapest entschieden, weil uns das Einleben in einer Stadt mit ca. 200 000 Einwohnern einfacher erschien als in einer Metropole mit ca. 1,6 Mio. Einwohnern. Im Nachhinein glauben wir zwar, dass wir auch das hinbekommen hätten.
Ansprechpartner vor Ort
International Office
Land
Ungarn
E-Mail
www.unideb.hu
Wie sind Sie ins Ausland gegangen?
im Rahmen einer Hochschulkooperation
Mobilitätsprogramm
Erasmus Studium
Dokumente
Auslandskrankenversicherung , Learning Agreement , Kinderausweis(e) , Reisepass , Einschreibungen / Zulassungen für Gasthochschule
Sonstiges, und zwar
Voraussetzung war auch ein Sprachnachweis der Heimathochschule in Englisch
Wohnsituation

Eine voll möblierte und mit Internetzugang ausgestattete Wohnung hatten wir vom International Office der Gasthochschule vermittelt bekommen. Trotz Anreise irgendwann mitten in der Nacht an einem Freitagabend wurde uns der Schlüssel zur Wohnung persönlich vorbeigebracht. Die Wohnung hat alles gehalten, was sie auf den Bildern versprochen hat und wir leben sehr gerne hier. Sie liegt in einer ruhigen Wohngegend, zwischen zwei Teilen der Universität und direkt an einem schönen, großen Spielplatz.

Kinderbetreuung Kriterien

Die Gast-Uni bzw. das dortige Erasmus-Büro hat uns bei der Vermittlung eines Platzes geholfen. Allerdings haben wir dann doch noch einen besseren Platz über die Bekannte meiner Tutorin im Gastland gefunden (Beziehungen sind alles!)

Kinderbetreuung Situation

Wir haben für unsere Tochter einen Platz in einem regulären Kindergarten bekommen. Wir haben die Betreuungszeiten von 9:00 - 14:00 Uhr in Anspruch genommen. Länger wäre möglich gewesen. Die Kosten lagen bei ca. 40 Euro/Monat inkl. Essensgeld. Unseren Sohn haben wir abwechselnd selbst betreut.

Eindrücke des Kindes

Für unsere fünfjährige Tochter wollten wir unbedingt einen Betreuungsplatz, vorzugsweise in einer Kindertagesstätte, im Gastland organisieren. Sie sollte die Möglichkeit haben, häufig mit Kindern zusammen zu sein und natürlich etwas die Sprache lernen. Die Betreuungskosten liegen weit unter denen, die wir in Deutschland zahlen mussten. Die Betreuung ist klasse, unsere Tochter hat sich sehr wohl gefühlt und wir haben auch diese Entscheidung nicht bereut. Unseren einjährigen Sohn haben wir selbst betreut -gemeinsam oder abwechselnd.

durchschnittlichen Lebenserhaltungskosten vor Ort

Kinderbetreuung
40 Euro
Finanzierungsmöglichkeiten
Stipendium , Kindergeld , Elterngeld , Unterstützung durch weitere Familienangehörige
Sonstiges, und zwar
Akademisches Auslandsamt Paderborn: 200€/ Monat
Motivation

Gründe für einen Auslandsaufenthalt sind ebenso individuell wie vielfältig. Bei uns, und damit meine ich meine Lebensgefährtin und mich, war der Wunsch nach einem längeren Aufenthalt im Ausland schon weit vor unserer jetzigen Situation vorhanden, doch aus diversen Gründen hat sich die Gelegenheit nicht ergeben. Aber man wächst mit seinen Aufgaben. So auch in der Familie und in der Erziehung. Und mit der Erfahrung in der Erziehung und dem täglichen Leben als Familie wuchs bei uns auch die Erkenntnis, dass ein Auslandsaufenthalt doch nicht so unerreichbar bzw. unrealistisch und unvereinbar mit unserer aktuellen Situation ist. Mit einem realistischen Ziel, einer vernünftigen Planung und einer Spur von Abenteuerlust steht dem nichts im Wege. Denn letzten Endes hat man als Familie auch im Ausland die gleichen Aufgaben: die Eltern gehen ihren Beschäftigungen nach (studieren, arbeiten, Praktikum machen,…), die Kinder werden betreut (Kindergarten, …) oder man betreut sie selbst. Das alles findet allerdings in einer neuen, spannenden Umgebung mit neuen Leuten und einer neuen Kultur statt!

Transportmöglichkeit

Geplant war eine Anreise meinerseits mit dem PKW, um alle notwendigen Güter wie Kleindung, Babybett, Babygeschirr, Kindersitz und -wagen, Spielzeug, Bücher etc. ins Ausland zu schaffen, während meine Frau mit den Kindern einige Tage später mit dem Flugzeug anreisen wollte. Daraus wurde so leider nichts. Ich bin zwar mit dem Auto vorgefahren, musste aber zwei Wochen später aufgrund schwerer Krankheiten sowohl der Kinder als auch meiner Frau wieder nach Deutschland zurückkehren, um nach deren Genesung, diesmal gemeinsam, wieder mit dem PKW ins Gastland. einzureisen. Der Start stand unter keinem so guten Stern.

Orientierung vor Ort

Die ersten Tage waren wir damit beschäftigt uns einen Überblick über Debrecen zu verschaffen. Am Montag hatte ich dann einen kurzen Termin im International Office an der Uni, wo ein paar Formalitäten erledigt wurden und ich einen ‚Guide for Foreign Students’ bekommen habe, der äußerst hilfreich war (Sprache, Geschichte der Uni/der Stadt, Sehenswürdigkeiten, …). Am folgenden Tag habe ich meine Tutorin kennen gelernt, die mich ebenfalls sehr gut in der ersten Zeit unterstützt hat und mir eine große Hilfe war: Studentenausweis beantragen, Straßenbahnticket kaufen, Stadt zeigen, Mensa zeigen.

Verpflegung

Was allerdings die ganze Zeit hier etwas gestört hat, war das Essen. Ungarn ist noch nicht wirklich auf Vegetarier eingestellt. Das Essen in den Mensen ist mehr Masse statt Klasse (das könnte man als Lob an unsere Mensa in PB verstehen!). Bio-Produkte sind in den Supermärkten vorhanden aber noch nicht so präsent wie in Deutschland. Außerdem gibt es fast ausschließlich nährwertloses Weißbrot! Aber nach und nach haben wir ganz gute Geschäfte gefunden und konnten unseren Bedürfnissen entsprechend einkaufen. Ãœberrascht hat uns dabei auch die Präsenz von deutschen Geschäften und Produkten â€" teilweise auch nur in der deutschen Verpackung ohne Beschreibung in Landessprache.

Studienablauf

Es gab zwar eine offizielle Erasmus-Eröffnungsfeier, die auch sehr schön mit traditionellen Tänzen, Musik und Speisen ausgestattet wurde, aber fand erst nach meiner "zweiten" Ankunft, also ca. 3 Wochen nach meiner ersten statt. Das war zwar einerseits gut für uns (meine Familie war ja inzwischen auch da), sodass wir alle gemeinsam dorthin gehen konnten. Aber andererseits wurde damit eindeutig zu lange gewartet. Besser wäre es, wenn alle Erasmus- Studenten zu einem bestimmten, verbindlichen Zeitpunkt angereist sind und es dann eine Vorstellungsveranstaltung gäbe, zum Beispiel in Form einer Kneipentour o.ä. Das Studium begann allerdings schon eine Woche vor der Eröffnungsfeier. Wie bereits erwähnt gab es einen offiziellen Erasmus-Stundenplan, aus dem Kurse gewählt werden konnten oder eben in direkter Absprache mit den jeweiligen Dozenten. Die Kurse waren sehr gut organisiert und betreut, interessant und fachlich auf dem neuesten Stand (vorwiegend Literatur als dem angelsächsisch- und deutschsprachigen Raum). Ich habe alle Dozenten als sehr kompetent und nett in Erinnerung. Auf meine besondere Studiensituation wurde insbesondere bei der Terminabsprache immer Rücksicht genommen. So konnte ich an allen Kursen bis auf einen (Betreuung unseres Jüngsten während meine Lebensgefährtin ihr Praktikum absolviert hat) bis zum Ende teilnehmen und erfolgreich bestehen. Die restlichen Erasmus-Studies waren alle sehr nett. Mit einigen hat sich eine intensive Freundschaft ergeben â€" teilweise gerade wegen der Kinder. Und obwohl ich nicht so viel Zeit mit der Erasmus-Gemeinschaft verbracht habe, die der Otto-Normal-Erasmus-Student das macht (nämlich den ganzen Tag!), habe ich mich zu keinem Zeitpunkt nicht zugehörig oder gar ausgegrenzt gefühlt.

Familienfreundlichkeit

Wir haben viele nette und hilfsbereite Menschen kennen gelernt, die uns in schwierigen Situationen geholfen haben: Vermittlung eines Kinderarztes, telefonische Ãœbersetzungsdienste im Krankenhaus oder in der Autowerkstatt, … Neben dem erwähnten engen Kontakt zur Erasmus-Gemeinschaft und dort insbesondere zu einem rumänischen Studenten, in dessen Elternhaus und in dessen Heimatstadt wir im Laufe unseres Auslandsaufenthaltes sogar ein sehr schönes Wochenende mit den Kindern verbracht haben, haben wir uns mit einer ungarischen Familie recht häufig getroffen. Auf dem Spielplatz, zu Hause, zum Abendessen, zum Eisessen. Solche Treffen waren insbesondere für die Kinder wichtig und wertvoll.

Freizeit

Wo es möglich war haben wir die Kids zu Parties oder Ausflügen mitgenommen, was denen natürlich besonders Freude bereitet hat (welches Kind hat schon die Möglichkeit so früh auf Studentenparties - und dann auch noch im Ausland zu gehen?!). Kinder sind wie auch in Deutschland eine gute Gelegenheit zum Kontakte knüpfen. So haben sich unsere meisten außeruniversitären Kontakte auf dem Spielplatz oder im Kindergarten ergeben. Positiv waren die Reisen in das Umland von Debrecen. Wir haben uns das Land und die Leute gründlich angesehen und auch weiter entfernte Orte angesteuert. Diese dann mit Ãœbernachtungen. Wir fanden es wichtig, nicht nur einen kleinen Ausschnitt des Gastlandes kennen zulernen.

Resümee

Kinder sind wie auch in Deutschland eine gute Gelegenheit zum Kontakte knüpfen. So haben sich unsere meisten außeruniversitären Kontakte auf dem Spielplatz oder im Kindergarten ergeben. Es lohnt sich darüber hinaus die Landessprache zumindest ansatzweise zu erlernen. Zum einen ist es eine höfliche Geste, zum anderen ist es an manchen Stellen unabdingbar, zumindest rudimentäre Sprachkenntnisse an den Tag zu legen. Bei dieser langen Aufenthaltsdauer. Ein differenziertes Resümee zu ziehen fällt mir schwer. Die Erwartungen an den Auslandsaufenthalt waren mitunter nicht sehr konkret und dann fällt es schwer zu sagen, was sich erfüllt hat und was nicht. Was ich bzw. was wir auf jeden Fall sagen können ist, dass wir den Aufenthalt nicht bereut haben. Im Gegenteil sind wir sehr froh, uns dieser Herausforderung gestellt und diese Erfahrungen gesammelt zu haben. Und auch wenn sich die Kinder nicht an alles erinnern werden können, haben sie doch schon einiges erlebt, wovon sie später sicherlich erzählen und profitieren können.

Informationen Familienbild

Die Familienpolitik in Ungarn ist eher konservativ. Die Kinder werden erst mit sieben oder acht Jahren eingeschult. Frühförderung ist quasi nicht vorhanden, Vorschule im Kindergarten ebenfalls nicht. Das Heranführen an das Lernen und das Wissen findet noch später als in Deutschland statt. Die Kinder werden insb. im Kindergarten stark "bemuttert". Die Erzieherin nimmt verstärkt die pflegerischen Aspekte ihrer Arbeit wahr. Natürlich gibt es Ausnahmen, wo Kinder bereits sehr früh z.B. an Fremdsprachen (gern Deutsch) herangeführt werden. Das sind dann aber eher private Maßnahmen besser situierter Eltern. Wir haben einige wenige studierende aber relativ viele berufstätige Mütter kennengelernt; dennoch nimmt die Mutter die entscheidende Rolle in der Erziehung ein (das kann man sehr gut auf Spielplätzen beobachten). Das sind aber sehr subjektive Eindrücke. Debrecen ist zwar die zweitgrößte Stadt Ungarns, dennoch liegen Welten zwischen Debrecen und Budapest. Es herrscht eine starke, nicht ausschließlich kulturelle Zentralisierung in Richtung Budapest vor. Dort kann die Situation also eine völlig andere sein.

Empfehlungen

Natürlich ist es etwas grundlegend anderes, so ein Abenteuer mit Familie zu planen und durchzuziehen â€" aber wir haben gelernt, dass es eben nicht so unmöglich ist. Und diese Erkenntnis wird uns auch zukünftig nützlich sein, da bin ich mir sicher. Ich kann es nur jedem empfehlen, der sich dafür interessiert, sich aber aufgrund der familiären Situation unsicher ist. Tipp: Immer fragen. Die Ansprechpartner sind nett zu und geduldig mit Austauschstudenten. Viele Dinge werden ermöglicht. Außerdem ist es wichtig, frühzeitig einen Studentenausweis der Gastuniversität (!) zu beantragen. Damit bekommt man wie bei uns teilweise Vergünstigungen bei Eintrittspreisen und Bus- und Bahntickets. Kontakte sind ebenfalls wichtig. Wie bei uns läuft viel über Beziehungen â€" nicht nur im Uni-Umfeld. Mit der Erasmus-Gemeinschaft unbedingt in Kontakt bleiben â€" während und auch nach dem Aufenthalt. Das ist als Familie manchmal schwierig, aber dennoch sehr gut möglich. Wenn es einen E-Mail-Verteiler für Erasmus-Studenten an dieser Uni gibt - sofort eintragen! Schaut Euch das Land an. Wer weiß, wie oft Ihr noch in dieses Land kommt. Mit der Zeit bekommt man außerdem ein Gefühl für die Kultur und die Menschen und kann sehr gut zwischen Orten unterscheiden, die einen interessieren und denen, die sich wahrscheinlich eher nicht lohnen zu besuchen. Tipp: Macht ein Blog oder schreibt zumindest Tagebuch â€" für Euch, Eure Kinder und für die Daheimgebliebenen.

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