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Neben der Uni mit den Kindern in die University Parks sowie Port Meadow

Anita war mit Jonathan und Lisa in Oxford

Name
Anita
Nationalität
deutsch
Land
Deutschland
Sprache
Deutsch
Stadt
Berlin
Heimathochschule
FU
Studiengang
Magister
Abschluss
Master
Status
Student/in
Zeitraum
01.10.2006 - 01.09.2007
Kinder
Jonathan (4) , Lisa (0)
Partner
Marcus (Angestellte/r)
Land
Groß Britannien
Sprache
Englisch
Stadt
Oxford
Hochschule
University of Oxford
Anlass der Reise
Studiengangsintegriertes (verpflichtendes) Auslandsstudium
Sonstiges, und zwar
Vorbereitung der Promotion
Kriterien
Ein Dozent hatte mir empfohlen, für Religionsphilosophie entweder nach Notre Dame in den USA zu gehen oder eben nach Oxford. Meine Wahl fiel auf Oxford wegen des Renommees der Uni und der Nähe zu Deutschland.
Ansprechpartner vor Ort
College + Faculty
Land
Groß Britannien
Wie sind Sie ins Ausland gegangen?
im Rahmen einer Hochschulkooperation
Mobilitätsprogramm
Erasmus Studium
Dokumente
Auslandskrankenversicherung , Kinderausweis(e) , Reisepass , Einschreibungen / Zulassungen für Gasthochschule , Empfehlungsschreiben / Motivationsschreiben
Wohnsituation

Wir wohnten in einer möblierten Wohnung, die einem der Colleges gehört (Linacre) und waren damit sehr zufrieden. Die Lage könnte besser nicht sein - ich konnte meine Institute und Bibliotheken innerhalb von 10 Minuten mit dem Fahrrad erreichen und der University Park war um die Ecke. Die Wohnung war für Oxforder Verhältnisse riesig, hatte einen Garten, es wohnten auch andere StudentInnen im Haus und es war (für Oxforder Verhältnisse) recht preiswert. College accomodation ist rar, nicht alle Colleges bieten so etwas und Mieten und Ausstattung sind zum Teil sehr unterschiedlich. Ich hatte die Colleges vorher angeschrieben und mein College gezielt danach ausgesucht. Die MitarbeiterInnen im College waren sehr zuvorkommend und haben uns auf Nachfrage Babybett und Hochstuhl zur Verfügung gestellt. Preislich auch noch erschwinglich sind Wohnungen in University accomodation. Auf dem freien Markt zu suchen, bedeutet fast immer, mehr Geld ausgeben zu müssen. Allerdings plante ich von vornherein, nur ein Jahr zu bleiben. College accomodation ist meist auf ein Jahr befristet. Wer einen längeren Aufenthalt ohne Umzug plant, für den ist das vielleicht die bessere Alternative. Lage, Größe und Ausstattung sind sehr unterschiedlich. Man sollte in Bezug auf Schimmel, zugige Fenster, Zustand des Bodens und der Wände vielleicht nicht mit deutschen Vorstellungen anrücken. Wie sagte mir unser Hausmeister zu den vielen schwarzen Stellen im Bad: Das sei eben ein feuchtes Land. Man könne dagegen nichts tun.

Kinderbetreuung Kriterien

Unsere jüngste Tochter war bei der Einreise gerade drei Wochen alt und mein Mann hatte für die Zeit unseres Aufenthalts Elternzeit genommen, um für sie da zu sein. Dennoch wollten wir gerne, dass unser Sohn täglichen Kontakt zu anderen Kinder hat und überdies Englisch lernt. Es war uns nicht gelungen, von Deutschland aus eine Betreuung für ihn zu organisieren aber nach vier Wochen im Land hatten wir mit viel Glück einen Platz in einer katholischen Schule ganz in der Nähe gefunden.

Kinderbetreuung Situation

Unser Sohn wahr gerade vier Jahre geworden als wir ankamen und ab vier können Kinder in die Vorschule gehen. Ab fünf Jahren müssen sie das sogar. In einer öffentlichen Schule ist das kostenlos - ganz im Gegenteil zu der sehr teuren Betreuung in nurseries, weshalb man in letzteren kaum noch Kinder über vier findet. Es gibt in Oxford natürlich auch Tagesmütter, Playgroups und viele Krabbelgruppen, in denen mein Mann einige traditionelle Rollenvorstellungen von Frauen unterschiedlichster Herkunft ins Wanken brachte. Es empfiehlt sich außerdem ein Buch mit dem Titel "Oxford for the Under-Eights" und auch der Newcomers Club ist ein guter Anlaufpunkt für die erste Zeit. In der Schule war unser Sohn zwischen 9 und 15 Uhr, was dort die Kernzeit ist und für uns ausreichte, da mein Mann ja zu Hause war. Es gab jedoch auch einen Schulhort und AG-Angebote für nachmittags.

Eindrücke des Kindes

Unser Sohn ist eher von der zurückhaltenden Sorte mit einer Vorliebe für Vertrautes und feste Regeln. Die erste Monate in der Schule waren für ihn sehr hart, zumal dort viel mehr Selbstständigkeit verlangt wurde als er es aus der deutschen Kita gewohnt war. Sich sprachlich nicht verständigen zu können, belastete ihn sehr. Nach etwa einem halben Jahr fing er an zu sprechen und nun wurde einiges besser. Er hatte Freunde, plauderte mit ihnen und hat auch heute noch ein passives Verständnis vom Englischen. Fragt man ihn allerdings selbst, überwiegen negative Erinnerungen. Vielleicht wäre das bei einem längeren Aufenthalt anders gewesen. Ãœberdies glaube ich, dass aufgeschlossene, weniger perfektionistische Kinder auch weniger Probleme haben. Unserer Tochter hat es - soweit ich das beurteilen kann - ausgezeichnet gefallen. Allerdings kann sie heute kein Englisch ;)

durchschnittlichen Lebenserhaltungskosten vor Ort

Unterkunft
1000 Euro
Finanzierungsmöglichkeiten
Stipendium , eigener (Neben-)Job , Erspartes , Elterngeld
Sonstiges, und zwar
Erziehungsgeld
Motivation

Ich wollte schon immer im Rahmen meines Studiums ins Ausland gehen. Außerdem wollte ich meine Promotion im Fach Religionsphilosophie vorbereiten und meinen Magisterabschluss um einen Master ergänzen. Wenn das nicht mit meiner Familie zusammen geklappt hätte, wäre ich nicht gegangen. Weil ich drei Wochen vor dem Start in Oxford Lisa geboren hatte, konnte mein Mann recht unkompliziert Elternzeit nehmen. Just in dieser Zeit wurde der Stichtag für den Genuss des damals neu eingeführten Elterngeldes auf den Zeitpunkt vier Monate nach Lisas Geburt festgelegt, so dass mein Mann noch nach der alten Regelung lediglich 450 Euro bezog. So mussten all unsere Ersparnisse daran glauben, uns durch dieses Jahr in dieser teuren Stadt zu bringen.

Transportmöglichkeit

Wir sind mit Hilfe von Freunden in einem gemieteten Kleinbus über Nacht nach England gefahren. Das war für mich - drei Wochen nach der Entbindung - sicher am angenehmsten. Zurück bin ich dann mit den Kindern geflogen, während mein Mann sich mit meinem Schwager um den Rücktransport unserer Sachen kümmerte. Fliegen ist je nach Verfassung der Kinder anstrengend oder nicht. Wir haben es aber auch während der Zeit dort mehrmals getan. Die Strecke ist ja recht kurz und die Zeit daher überschaubar.

Orientierung vor Ort

Ich bin von Beginn an ziemlich in Arbeit versunken und mein Mann könnte wahrscheinlich viel mehr zum Land sagen. Mein Masterprogramm war unglaublich anstrengend und zeitintensiv. Alle meine Kommilitonen waren für die Zweijahresvariante da und ächzten dennoch unter der zeitlichen Belastung. Ich musste jede Woche 10seitige paper abgeben und in meinen wenigen Pausen habe ich gestillt, geschlafen und gegessen. Das Studium war dadurch sehr effektiv. Besser noch war es allerdings für mich ab dem zweiten Term, ab dem wir uns nun halbwegs an den Alltag mit zwei Kindern gewöhnt hatten, ich mich an der Uni besser zurecht fand, die Erwartungen an die Essays verstanden hatte, nicht mehr so mit meinem Englisch kämpfte und auch ein bisschen Zeit fand, um ein paar nette Menschen näher kennenzulernen.

Verpflegung

An einem Tag kurz vor Weihnachten entdeckte ich eine französische Bäckerei, die verschiedene Sorten dunkles Brot führte. MaisonBlanc hieß sie und gehört zu einer Kette, die wohl auch in anderen britischen Städten vertreten ist. Als ich ein Sauerteigbrot auswählte und die Verkäuferin mich vor dem "strong flavour" warnte, antwortete ich nur, dass das genau das sei, was ich wollte und alles war gut. Ansonsten fanden wir in Oxford alles, was wir auch hier kaufen würden. Mit Bestellservice für Lebensmittel sind die Geschäfte in Großbritannien sogar weiter und einen Obst- und Gemüsekorb konnten wir auch abonnieren.

Studienablauf

Die Fakultät teilt einem einen Supervisor zu, mit dem man alle studienbetreffenden Belange besprechen kann, der die Tutoren auswählt und auch Empfehlungen für Veranstaltungen gibt. Kernstück meiner Arbeit waren die wöchentlich stattfindenen Tutorien. Dafür hatte ich jede Woche zu einem anderen Thema einen Essay abzugeben, den mein Tutor und ich dann am nächsten Tag diskutierten. Art und Umfang der Essays hingen von den jeweiligen Tutoren ab - meistens um die 10 Seiten. Die Themen konnte ich mir aus einer vorgegebenen Liste aussuchen, die Literatur wurde zum Teil von den Tutoren - allesamt Koryphäen auf ihrem Gebiet - vorgegeben. Das erwartete Lesepensum ist hoch. Darüber hinaus besuchte ich einige Vorlesungen und Seminare und nahm an kurzfristig und informell organisierten Diskussionsgruppen teil. Für Sprachkurse am Language Center der Universität sollte man sich so früh wie irgend möglich anmelden. Ich bekam erst im zweiten Teil meines Aufenthalts einen Platz, was sich aber dennoch gelohnt hat.

Familienfreundlichkeit

Es gibt nicht viele Spielplätze dort - verglichen mit Berlin etwa. Und die wenigen sind weit weniger liebevoll gestaltet als ich das von hier kenne. Aber Oxford bietet genügend Gelegenheiten, draußen etwas zusammen zu unternehmen. Es gilt jedoch die Liebe der Engländer zu ihren Gärten dabei nicht zu missachten. Auf Bäume in den University Parks zu klettern ist zum Beispiel verboten.

Tagesablauf

Siehe oben: Arbeiten, stillen, essen, schlafen. Und ein bisschen mit den Kindern spielen, Haushalt, Bibliotheken aufsuchen. Hin un wieder habe ich meinen Sohn zur Schule gebracht und ihn wieder abgeholt. Meistens kümmerte sich darum jedoch mein Mann. Selten bin ich abends ausgegangen. Die Sonntage haben wir gemeinsam gestaltet.

Freizeit

Wir hatten drei andere Familien, mit denen wir gerne Zeit verbracht haben. In Oxford empfiehlt sich das Naturkundemuseum und die University Parks sowie Port Meadow zur spontanen Freizeitgestaltung. Ansonsten gibt es eine Fülle von Möglichkeiten von denen etliche in "Oxford for the Under Eights" zu finden sind. Wenigstens ein paar Mal zu Punten ist ein Muss und macht großen Spaß. Wenn Besuch da ist, lohnt sich ein Besuch in einigen der vielen schönen Pubs.

Resümee

Ich habe meinen Studienabschluss dort mit kleinen Kindern gemacht (eines davon ein Säugling) und bin darauf auch stolz. Für ein nächstes Mal würde ich planen, länger zu gehen. Ein Jahr ist gerade für die Kinder zu kurz, um nach gelungener Eingewöhnung sich nun auch eine Weile wohlzufühlen.

Informationen Familienbild

Das Familienbild ist ähnlich wie hier. Mein Eindruck ist, dass Kinder früher selbstständig sein sollten, was sich im frühen Schulbeginn manifestiert. Laufräder, Tragetücher und vieles mehr, was das Leben mit Kindern leichter macht, waren zu unserer Zeit dort nicht bekannt.

Empfehlungen

Die Probleme nacheinander zu lösen und darauf zu achten, wie das einzelne Kind reagiert. Nicht jedes Kind lernt eine fremde Sprache so schnell wie man oft hört. Wenn ich es nochmal planen würde, würde ich diesmal versuchen, mindestens zwei Jahre zu gehen.

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