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Günstiger als Zuhause: Günstig studieren

Sonja war mit Silvain und Zoe in Baybay, Leyte

Name
Sonja
Nationalität
deutsch
Land
Sprache
Deutsch
Stadt
Stuttgart
Heimathochschule
Universität Hohenheim
Studiengang
Agrarwissenschaften
Abschluss
Promotion
Status
Zeitraum
-
Kinder
Silvain (5) , Zoe (2)
Partner
Sigi ()
Land
Philippinen
Sprache
Englisch
Stadt
Baybay, Leyte
Hochschule
Visayas State University
Anlass der Reise
Auslandserfahrungen sammeln
Sonstiges, und zwar
Interesse an Tropischer Landwirtschaft
Kriterien
Ich war im Rahmen meiner Promotion auf Leyte in den Philippinen. Von der Universität Hohenheim aus gab es bestehende Kontakte zur der Uni (VSU) in Baybay und auch gemeinsame Forschungsprojekte. Als Ansprechpartner hatte ich daher einen Professor und Mitarbeiter der Universität Hohenheim, die vor Ort schon gearbeitet hatten und mich dann an die damalige Präsidentin der Uni in Baybay vermittelt haben. Meine Wahl war also davon abhängig ob es ein geeignetes Forschungsprojekt für meine Promotion gab, und auch ob ein Leben mit Kind dort gut möglich ist.
Ansprechpartner vor Ort
Department of Economics, VSU und die damalige Präsidentin, Dr. Milan.
Wie sind Sie ins Ausland gegangen?
im Rahmen einer Hochschulkooperation
Mobilitätsprogramm
nein
Dokumente
Learning Agreement , Kinderausweis(e) , Reisepass , Kindervisum
Sonstiges, und zwar
Business Visa
Wohnsituation

Ich war insgesamt 3mal auf Leyte: einmal nur einen Monat allein mit unserem damals 20 Monate alten Sohn, um mir ein Bild über die Lage vor Ort zu machen und meine Feldarbeit zu planen. Dann war ich mit meinem Mann und unserem Sohn ein halbes Jahr später für 7 Monate dort. In dieser Zeit wurde auch unsere Tochter dort geboren. Und dann waren wir nach 6 Monaten in Deutschland noch einmal für 5 Monate auf den Philippinen. Wir konnten für die Zeit ein Haus auf dem Campus mieten, das uns über die Universität besorgt wurde. Die erste Zeit (10 Tage) bis das Haus frei wurde, haben wir im Hotel, das sich auf dem Unigelände befindet, gewohnt. Es gibt dort an der Uni mehrere Häuser, bzw. Zimmer, die an ausländische Studenten vermietet werden, und meistens ist das im Vorfeld geregelt, bzw. es findet sich eine Regelung nach Ankunft.

Kinderbetreuung Kriterien

Da mein Mann dabei war, hatten wir keine Kinderbetreuung. Es war auch so ausgemacht, dass er mitreist und sich um das Kind, bzw. später die beiden Kinder kümmert (da unsere Tochter ja dort geboren wurde). Bei meinem ersten 1-monatigen Aufenthalt, bei dem ich mit unserem Sohn alleine dort war, hatte ich noch versucht eine Yaya, also ein Kindermädchen zu finden. Aber unser Sohn wollte sich nicht von mir trennen, daher habe ich einfach zu den Treffen und aufs Feld mitgenommen. Da die Philippinos sehr kinderlieb sind, hat das auch nie jemanden gestört, und den Kontakt zu den Bauern, die ich befragt habe, eher erleichtert. Es wäre auch möglich das ohne Partner zu organisieren, da Kindermädchen leicht zu finden und sehr billig sind (2-3 Euro am Tag). Aber es wird schon schwieriger ein Kindermädchen zu finden, das gut Englisch kann, zudem konnte unser Sohn auch kein Englisch. Daher hängt es wohl von der Offenheit des Kindes ab, bzw. der Notwendigkeit einer Kinderbetreuung. Es gibt eine Nursery für 3-jährige Kinder im Nachbarort, aber nur für 3 Stunden, und der Kindergarten auf dem Campus ist erst für 4-jährige. Auf dem Gelände gibt es auch eine Grundschule und eine Highschool. Unterricht ist auf Englisch, allerdings reden die Kinder daheim Cebuano, den dortigen Dialekt.

Kinderbetreuung Situation

Wie oben erwähnt, sollte Bedarf bestehen, findet sich immer ein Kindermädchen für 2-3 Euro am Tag, mit der man flexible Zeiten absprechen kann. Der Besuch der nursery und des Kindergartens/Schule war meines Wissens umsonst, zumindest war es sehr billig.

Eindrücke des Kindes

Unser Sohn war zu Beginn des ersten längeren Aufenthaltes 2 Jahre und 3 Monate, als wir nach dem zweiten Aufenthalt nach Deutschland zurück sind, war er 3 Jahre und 9 Monate, unsere Tochter war da ein Jahr und 2 Monate. Es ist also schwer zu sagen ob es ihnen gefallen hat. Generell sind die Philippinos sehr kinderlieb, was aber auch Nachteile hat. Die Vorteile sind dass man überall gerne mit Kindern gesehen wird, und sie auch immer mitnehmen kann. Zudem konnten wir unseren Sohn auf dem Campusgelände gefahrlos alleine laufen lassen, irgendjemand hat ihn immer zu uns zurückgebracht (meist mit einer Tüte Chips in der Hand). Der Nachteil war, dass die Kinder ständig im Mittelpunkt stehen und viel angefasst werden, was unserem Sohn nicht so gefiel. Aber die Vorteile überwiegen und die Kinderliebe der Menschen dort ist enorm. Etwas schwierig war, dass in unserer direkten Nachbarschaft keine anderen Kinder waren, so dass es mit den Kontakten etwas länger gedauert hat. Wären wir länger dort gewesen, hätten wir uns ein Haus außerhalb des Campusgeländes gesucht, dort gab es genügend Familien, und Philippinos haben immer noch viele Kinder.

durchschnittlichen Lebenserhaltungskosten vor Ort

Unterkunft
80 Euro
Versicherungen
30 Euro
Verpflegung
200 Euro
Verkehr
20 Euro
Finanzierungsmöglichkeiten
Unterhalt , eigener (Neben-)Job , Elterngeld , Unterstützung durch weitere Familienangehörige
Motivation

Ich wollte meine Promotion gerne über Landwirtschaft in den Tropen machen, und ich hatte bereits ein Kind. Die Bedingung für dieses Projekt war, dass mein Mann mitgereist ist und während dieser Zeit nur für die Kinderbetreuung da war.

Transportmöglichkeit

Um auf die Philippinen zu kommen muss man das Flugzeug nehmen. Es ist zudem ein furchtbar langer Flug mit Umsteigen und Zeitverschiebung. Interessanterweise hat unsere Kinder das nicht sehr mitgenommen, dafür aber uns. Unsere Tochter ist das erste Mal im Alter von 2 Monaten geflogen, und hat die meiste Zeit geschlafen. Unser Sohn fand es immer aufregend und lustig, und hat auch immer gut geschlafen. Auch wenn so ein Flug anstrengend ist, ist es mit Kindern auf jeden Fall möglich und gar kein so großes Problem wie einem oft suggeriert wird.

Orientierung vor Ort

Bei meinem ersten einmonatigen Aufenthalt war ich allein mit unserem Sohn unterwegs. Das fand ich schon anstrengend, da sein Schlaf-Wach-Rhythmus total durcheinander war. Und er war natürlich sehr auf mich fixiert. Zudem musste ich nach einer Nacht im Hotel noch mit der Fähre weiter, wo mich dann ein Fahrer der Unipräsidentin abholen sollte. Der hat mich aber leider versetzt, Telefonmöglichkeit gab es nicht, also habe ich mich mit dem öffenltichen Bus weitergekämpft. Vor Ort an der Uni hat man mich dann aber nett empfangen und mich ins Hostel gebracht und mir auch gesagt an wen ich mich wenden soll, wo es was zu essen gibt, etc. Besonders die zwei Angestellten im Hostel haben sich um mich gekümmert, das Kind war da ein großer Bonus. Bei den folgenden zwei Einreisen kannten wir den Ablauf ja schon. Wichtig ist sich für die Umstellung auf die andere Zeitzone wirklich ein paar Tage Zeit zu nehmen, und nicht zu viele Termine wahr zu nehmen. Ansonsten sind Philippinos sehr hilfsbereit wenn man sie anspricht, besonders wenn man Kinder dabei hat.

Verpflegung

Auf den Philippinen findet man eigentlich zu jeder Zeit etwas zu essen und das Essen in einfachen eaterys ist auch sehr billig, in teureren Restaurants in großen Städten immer noch günstig im Verhältnis zu hier. Die Auswahl hängt davon ab wo man ist: in großen Städten findet man fast alles, auf dem Lande wird die Auswahl geringer. Der Campus der VSU in Baybay, Leyte, liegt eher ländlich. Dort gibt es auch mehrere eaterys auf dem Markt und eben einen kleinen Markt wo man alles kaufen kann. Hauptnahrungsmittel ist Reis und Fisch, Nudeln gibt es auch, Gemüse und Obst (Mangos und Bananen). Unser Sohn hatte eigentlich nie Probleme und hat sich mit Freude vorwiegend von Reis und Fisch ernährt. Unsere Tochter hat dort angefangen zu essen und fing dann eben auch mit Reis an. Es gibt auch Säuglingsnahrung in Massen zu kaufen. Der hygienische Standard ist vermutlich etwas niedriger als bei uns, aber wir hatten nie Probleme während unserer zwei Aufenthalte. Natürlich gibt es manche Dinge nicht, wie zum Beispiel gutes Brot oder Bohnenkaffee, aber dafür gibt es eben Banananen, Mangos und Ananas und andere Dinge.

Studienablauf

Ich war nicht zum Studium da, sondern für meine Promotion. Die Arbeit dafür habe ich selbst organisiert, wobei ich zu Beginn Unterstützung bekommen habe, wo ich Ãœbersetzer finde, wie ich die Anfahrten zu den Befragungsorten organsieren soll. Ich hatte für die ganze Zeit eine Ansprechpartnerin und habe auch andere Leute im Hilfe gebeten. Es war an sich kein Problem alles zu organisieren, allerdings muss man selbst aktiv werden und viel fragen.

Familienfreundlichkeit

Solche Dinge wie Wickel- und Stillmöglichkeiten sucht man auf den Philippinen vergebens. Die Leute lieben Kinder und haben Kinder, aber es gibt nicht so viele Dinge für Kinder, wie Kinderhochstühle, Spielplätze oder ähnliches (der Campus liegt am Meer, da braucht man keinen Spielplatz). Stillen in der Öffentlichkeit ist erstaunlicherweise ein seltenes Bild, da viele Philippinas gar nicht stillen, auch weil sie oft arbeiten gehen. Aber ich habe es praktiziert und hatte nie den Eindruck dass es gestört hätte. Frauen sind dem Stillen gegenüber auch meist positiv eingestellt und waren nur verwundert, dass eine Europäerin ihre Kinder stillt. Die Akzeptanz von Kindern ist sehr hoch, und Kinder dürfen auch mal schreien und heulen. Da beschwert sich niemand, sondern es kommt meist gleich jemand gelaufen und versucht das Kind zu trösten oder zu beruhigen. Zusammenfassend ist es ein sehr guter Ort um mit Kindern zu leben, da Kinder dort einfach selbstverständlich zum Leben dazugehören.

Tagesablauf

Leider hatte ich kein Büro vor Ort, daher habe ich mir in unserem Haus mein Büro eingerichtet. Ich war öfters auf dem oberen Campus um meine Arbeit zu organisieren, Kontakte zu knüpfen, Literature zu suchen, und auf die Kinder hat mein Mann aufgepasst. Wenn ich dann Gruppenbefragungen organisiert habe, ist mein Mann meist mitgekommen mit den Kindern. Wenn es in der Nähe war bin ich auch alleine gegangen. Da mein Mann dabei war, war es einfach die Arbeit zu organisieren.

Freizeit

Ein organisiertes Freizeitprogramm gibt es auf den Philippinen nicht, die Leute arbeiten entweder oder sind mit ihren Großfamilien zusammen und die meisten haben kein Geld für Reisen. Wir haben uns aber öfters Zeit für Reisen genommen, auch auf andere Inseln. Ein eigenes Auto ist zu teuer und lohnt sich aufgrund der Inselstruktur nicht, der öffentliche Nahverkehr ist aber sehr effizient (allerdings meist auch sehr eng) und Reisen ist kein Problem. Kontakte ergaben sich über meine Arbeit, da ich mehrere Studenten beschäftgit habe, als auch über andere Familien mit Kindern und auch ausländische Studenten. Dadurch dass wir Kinder hatten und die anderen Studenten nicht, hatten wir aber mehr Kontakte zu philippinischen Familien, was ja auch in Ordnung ist. Kulturell sind die Philippinen nicht sehr aufregend, aber landschaftlich sehr schön, daher muss man schon auch herumreisen.

Resümee

Das "Besondere" an unserem ersten 7-monatigen Aufenthalt war, dass ich bei Anreise schwanger war (und das natürlich wusste) und unsere Tochter auch dort geboren wurde. Das lief an sich sehr gut, und ich konnte auch trotz Mutterschutz arbeiten, bzw. die Arbeit meiner Assistenten koordinieren. So gut hätte ich die Zeit hier in Deutschland nicht nutzen können, zumal mein Mann hier auch nicht so viel Zeit hat. Meine Felduntersuchungen konnte ich auch wie geplant zu Ende führen, trotz zweitem Kind, was aber natürlich daran liegt, dass mein Mann dabei war. Ich bin froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe und wurde es auf jeden Fall wieder machen.

Informationen Familienbild

Die Philippinen sind ein sehr guter Ort für Kinder, da die Leute sehr kinderlieb sind und Kinder dort einfach zum Leben gehören. Man findet auch immer gleich Kontakt, da man mit Kindern oft angesprochen wird. Vielleicht noch ein Hinweis für Alleinreisende mit Kind. Die Philippinos sind katholisch und wenn eine Studentin unverheiratet schwanger wird, muss sie die Uni verlassen. Auf der anderen Seite sind die Frauen dort sehr emanzipiert (mehr als hier) und genießen einen hohen Status. Aber ich denke, dass man auch als Alleinerziehende dort herzlich aufgenommen wird (ich war das erste Mal ja ohne Mann da), zudem die Leute dort an Europäer nicht die gleichen Maßstäbe anlegen.

Empfehlungen

Ich bin mit meinem Sohn erst mal für einen Monat nach Leyte gereist, um mir ein besseres Bild machen zu können. Das hat mir für den längeren Aufenthalt geholfen. Wenn es eine solche Möglichkeit gibt würde ich die nutzen. Ansonsten haben meine Kinder die Umstellung immer sehr locker gemeistert, daher kann man sich ruhig trauen einen solchen Schritt zu wagen. Schwieriger stelle ich es mir mit älteren Kindern vor. Wir möchten gerne nochmal ins Ausland (Tropen) aber diesmal für länger, da der Aufwand mit der Schule sonst zu hoch ist.

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