Erfahrungsberichte finden

Klirrende Kälte und endlose Sommernächte

Iris war mit Maxime in Strassburg

Name
Iris
Nationalität
deutsch/rumänisch
Land
Sprache
Deutsch
Stadt
Köln
Heimathochschule
Universität zu Köln
Studiengang
Deutsch-Französisches Management
Abschluss
Status
Student/in
Zeitraum
01.12.2006 - 01.05.2008
Kinder
Maxime (1)
Land
Frankreich
Sprache
Französisch
Stadt
Strassburg
Hochschule
Ecole Nationale d'Administration (ENA)
Anlass der Reise
Studiengangsintegriertes (verpflichtendes) Auslandsstudium ,
Kriterien
Studiengang, Renomee der Schule
Land
Frankreich
Wie sind Sie ins Ausland gegangen?
als Free Mover
Mobilitätsprogramm
nein
Dokumente
Auslandskrankenversicherung
Wohnsituation

Materiell und organisatorisch war es in meinem Fall nicht immer einfach, da ich einen kleinen Sohn habe, der ein Jahr alt war als ich das Studium angefangen hatte und ich während des Studiums allein erziehend war. Ich bin jedes Mal mit ihm umgezogen (zwischen Strassburg und Paris), musste mich jedes Mal alleine um eine Wohnung und eine Tagesbetreuung für ihn kümmern. Die ENA war in dieser Hinsicht keine Hilfe und hat mir manchmal das Leben sogar erschwert. Ich hatte zwar zunächst ein Zimmer im Studentenwohnheim der ENA und die waren auch bereit, meinen Sohn zu akzeptieren, aber die Wohnung bringt nichts wenn man keine Aufsichtsmöglichkeit für's Kind hat. Letztendlich bin ich privat untergekommen. Die Wohnung habe ich über Bekannte gefunden.

Kinderbetreuung Kriterien

Die Tagesbetreuung war besonders schwer zu handhaben. Mit der neuen Schulordnung der ENA zieht man alle paar Monate zwischen dem Praktikumsplatz und Strassburg hin und her. Es gibt sehr, sehr wenige Tagesmütter, die es akzeptieren ein Kind auf einer jährlichen Teilzeitbasis zu betreuen (einige Monate im Jahr auf Vollzeitbasis und einige Monate im Jahr gar nicht). Mit den Kindertagesstätten ist es dieselbe Geschichte, denn ein solches Kind nimmt einem anderen Kind, das ganzjährlich betreut werden könnte, den Platz weg und die staatlichen Subventionen sind für die Kindertagesstätten weniger interessant wenn ein Kind nicht ganzjährlich betreut wird. Bei der ENA gibt es gar keine Unterstützung für die Kinderbetreuung. Die Schule sträubt sich dagegen, eine Kindertagesstätte zu eröffnen obwohl viele Schüler und Angestellte Kinder haben und zahlt den französischen Schülern rund 2€70 am Tag zur Kinderbetreuung (der Mindeststundenlohn einer Tagesmutter überschreitet drei Euro netto!). Angeblich gäbe es ein Ãœbereinkommen mit den Kindertagesstätten in Strassburg, damit sie die Kinder von ENA-Schülern zulassen. Das klappt aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht (s.o.). Die französischen Schüler lassen ihre Kinder meistens zu Hause, wenn sie in Strassburg sind und der Ehegatte kümmert sich mit der Hilfe einer Tagesmutter darum. Finanziell ist es aber auch für die französischen Schüler sehr belastend, weil das meistens mehr als ihr von der ENA gezahltes Gehalt verschluckt. Letztenendes hatte ich eine Tagesmutter in Paris während meiner Praktika (Tagesmutter, die ich schon vor Anfang des Studiums hatte) und eine Tagesmutter in Kehl während ich in Strassburg war. Finanziell war es sehr belastend (Tagesmütter sind in Frankreich sehr teuer, man ist nämlich Arbeitsgeber und muss auch alle Sozialabgaben zahlen) und mir wurden fast um ein Haar die Unterstützung der CAF (Caisse d'Allocation Familiales) gestrichen, da das Statut der Ausländer an der ENA vollkommen unklar ist und man die Subvention von der CAF nur bekommt, wenn man "arbeitet" oder als "Arbeitnehmer" eingstuft wird. Letztenendes habe ich mich aber durchsetzen können (aber auch nur durch das Wohlwollen der Angestellten bei der CAF): mein DAAD-Stipendium wurde als Gehalt eingestuft und mein Studium an der ENA (das ja grösstenteils aus Praktika bestand) als Arbeit.

Kinderbetreuung Situation

Frankreich ist eher sehr gut ausgestattet was Kinderbetreuung angeht. Das Problem ist nur, dass das System für Arbeitende zugeschnitten ist und nicht für Studierende. Man muss, zBsp für einen Crècheplatz nachweisen, dass man arbeitet und die Kosten richten sich nach dem Gehalt der Familie. Grösstenteils ist das System vom Staat subventioniert: der Staat übernimmt die Sozialabgaben und gibt einen Zuschuss je nach Einkommen; ausserdem kann man die Ausgaben für Kinderbetreuung von der Steuer absetzen. Da sich die Kosten nach Einkommen richten, ist es schwierig eine Summe zu nennen. Ich hatte aber für meine deutsche Tagesmutter regelmässig die Hälfte ( ca. 300 bis 400 Euro) im Vergleich zu meiner französischen Tagesmutter ( ca. 600 bis 800 Euro, manchmal mehr) bezahlt.

Eindrücke des Kindes

Meinem Kind hat es sehr gut gefallen, er hat sich bei beiden Tagesmüttern wohl gefühlt. In Frankreich hat er ,dadurch dass er mit anderen Kindern zusammen war, viel schneller ein Sozialverhalten (Danke, Bitte, mit anderen Kindern Teilen, autonom zu sein etc.) entwickelt als manche seiner deutschen Spielkameraden in demselben Alter. Die Zeit bei der deutschen Tagesmutter hat seine Deutschkenntnisse wesentlich verbessert . Da wir in Frankreich leben und er beide Staatsangehörigkeiten hat, war das eine sehr wertvolle Erfahrung.

durchschnittlichen Lebenserhaltungskosten vor Ort

Unterkunft
1000 Euro
Verpflegung
200 Euro
Verkehr
100 Euro
Kinderbetreuung
800 Euro
Finanzierungsmöglichkeiten
Auslands-BAFöG
Motivation

Ich wollte mich nicht von meinem Kind trennen und denke, dass es durchaus möglich ist, Familie und Beruf/Studium unter einen Hut zu bekommen. Kinder sind eine Bereicherung nicht eine Beschneidung einer selbst.

Transportmöglichkeit

Mit Kleinkind ist ein Auto unabdingbar. Wenn man aber mitten in einer Grossstadt wie Paris wohnt wird das Parken sehr teuer. Daher ist es empfehlenswert etwas ausserhalb zu wohnen und mit der Bahn reinzufahren (ein Auto bleibt aber unabdingbar für Einkaufen und mit Kleinkind verreisen.

Orientierung vor Ort

Da ich sehr oft umgezogen bin, habe ich mich auch sehr schnell eingelebt. Die ENA war relativ hilfreich.

Verpflegung

Nein, keine besonderen Hinweise, es sei denn, dass in Frankreich fast alles teurer ist als in Deutschland.

Studienablauf

Bei der ENA hat man nicht die Wahl der Kurse. Man bekommt Französischunterricht, wenn das Französischniveau dies erfordert. Ansonsten gibt es fast jeden Tag Englischunterricht und dann eine zweite Fremdsprache (sprich für uns dann vierte). Das Stidium ist zwischen Studienphasen in Strassburg (nie mehr als 2 Monate) und Praktikas (4 und 6 Monate) aufgeteilt. Bei den Praktikas kann man grundsätzlich überall hinkommen (französische Botschaft im Ausland oder Präfektur in Ãœbersee im schlimmsten Fall). Es wird aber versucht, die Ausländer eher in Frankreich zu behalten. Mittlerweile wird auch der Familienfaktor in der geographischen Verteilung ein wenig berücksichtigt. Daher konnte ich meine zwei Praktikas in der Pariser Gegend machen.

Familienfreundlichkeit

Sehr schlecht. Die ENA erleichtert einem das Leben nicht sondern erschwert es manchmal sogar. Es gibt keine Crèche an der Schule und es werden (ausschliesslich den französischen Studierenden) lächerliche 2€70 am Tag für Kinderbetreuung gezahlt (der Mindeststundenlohn einer Tagesmutter übersteigt bereits 3 Euro.....!!). Die ENA hat aber viel Erfahrung mit Studierenden mit Kindern, da viele Eltern unter uns waren. Die Franzosen lassen ihre Kinder aber während der Schulzeit in Strassburg meist zu Hause. Auch wenn mittlerweile in der Praktikaverteilung die Familiensituation ein wenig berücksichtigt wird, geht das Motto der ENA eher in die Richtung, den Kinderfaktor zu ignorieren. Man hat eher Minus- als Pluspunkte wenn man seine familiäre Situation nicht regeln kann und sich das auf die Schule und das Studium ausschlägt (z Bsp. früh beim Praktikumsplatz sein, abends spät bleiben etc.)

Tagesablauf

Morgens früh aufstehen, Frühstücken, Kind zur Tagesmutter, zur Schule fahren, abends so schnell wie möglich nach Hause, Kind abholen, spielen, Essen, baden, Kind ins Bett und dann womöglich noch lernen. Aber es gab auch Tage wo ich früher nach Hause kam oder nur wenig Unterricht hatte, dann habe ich die Zeit ausgenutzt, meinen Sohn früher abzuholen und auf den Spielplatz zu gehen.

Freizeit

Während wir in Strassburg waren haben wir die Oma in Deutschland besucht. In Paris, konnte Maxime am Wochenende dann seinen Vater besuchen. Wir waren auch oft auf dem Spielplatz und haben zu Hause zusammen gespielt und gelesen. Spiel- und Krabbelgruppen gibt es nicht und Sport- und Musikgruppen für Kleinkinder in dem Alter auch nicht, es sei denn man ist Hausfrau und Mutter und organisiert sich mit anderen Müttern (was nicht mein Fall war).

Resümee

Ich habe mein Ziel erreicht und bin froh, dass mein Kind nicht darunter gelitten zu haben scheint. Ich denke die Erfahrung war auch bereichernd für ihn. Dadurch dass er beide Staatsangehörigkeiten hat, war das ständige hin und her zwischen Frankreich und Deutschland für seine Sprache sehr bereichernd. Wenn ich jetzt nochmal vor der Entscheidung stehen würde, denke ich nicht, dass ich es anders machen würde und ich denke auch nicht, dass ich an meiner Organisation etwas verbessern könnte. Organisation und Planung ist wirklich der Schlüssel, um mit Kind erfolgreich studieren zu können. Ich hatte einen Vorteil, da ich vorher schon in Frankreich gelebt hatte.

Informationen Familienbild

Die Menschen sind relativ hilsbereit und kinderfreundlich. Die Infrastruktur und Betreuungsmöglichkeiten für Kinder ist eigentlich wesentlich besser als in Deutschland. Die Mentalität Kindern gegenüber ist aber anders als in Deutschland, man lässt Kindern nicht so viel durchgehen, man ist strenger. Die Mentalität gegenüber arbeitenden/studierenden Frauen mit Kindern ist aber wesentlich positiver als in Deutschland. Es ist vollkommen normal, dass man als Frau, wenn man Mutter wird, nicht alles aufgeben möchte. Viele arbeitende Mütter geben ihre Kinder bereits mit 3 Monaten in die Crèche. Kinder lernen hier viel früher den sozialen Umgang. Das Problem ist nur, dass diese positiven Punkte nicht unbedingt auf Studierende übertragbar sind (s.o.). So kann man, zBsp. nicht mit Kind und Kegel und Picknick in eine Vorlesung. Essen und trinken während Vorlesungen wird in Frankreich ohnehin nicht gerne gesehen.

Empfehlungen

Man muss mit der Organisation und der Planung lange im Voraus anfangen. Wenn das Zielland Frankreich ist, dann ist es besser, wenn man jemanden vor Ort kennt, denn der Campus oder die Universität wird da keine Hilfe sein. Man ist auf sich alleine gestellt. Aber wenn man einmal verstanden hat wie das System läuft, trifft man viele verständnisvolle und wohlwollende Leute.

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