Erfahrungsberichte finden

Zwischen Frustration & Faszination

Eva war mit Luise in Paris

Name
Eva
Nationalität
deutsch
Land
Frankreich
Sprache
Deutsch
Stadt
Düsseldorf
Heimathochschule
Kunstakademie Düsseldorf
Studiengang
Kunst
Abschluss
Akademiebrief
Status
Student/in
Zeitraum
01.07.2016 - 07.12.2016
Kinder
Luise (1)
Land
Frankreich
Sprache
Französisch
Stadt
Paris
Hochschule
Ecole nationale supérieure des beaux-arts (Énsba)
Anlass der Reise
Ansprechpartner vor Ort
Bureau des Relations Internationales
E-Mail
Veronique Rabin Le Gall, Monique Le Souef und Yolande Pitteloud
Wie sind Sie ins Ausland gegangen?
Mobilitätsprogramm
nein
Dokumente
Sonstiges, und zwar
Mit der Krankenversicherung war es relativ unkompliziert, da ich in der Künstlersozialkasse versichert bin, die Auslandsaufenthalte, sofern sie für Recherchezwecke oder Tourneen notwendig sind, bis zu 12 Monaten akzeptiert.
Wohnsituation

Im Bureau des Relations Internationales kann man eine Liste mit (web-) Adressen zur Unterkunftssuche bekommen, wo wirklich alle nützlichen Möglichkeiten aufgeführt sind, um in Paris an Wohnraum zu gelangen. Meine Wohnung habe ich schließlich über eine deutsche Studentin an der Énsba gefunden, deren E-Mail Adresse und Telefonnummer eine andere DAAD-Stipendiatin mir gegeben hatte. An der Énsba bekommt jeder Student, auch die Austauschstudenten, eine E-Mail Adresse über die Hochschule und kann den dortigen Verteiler nutzen, also E-Mails an alle Studenten und Lehrbeauftragte senden. Diese Studentin hat mein Zimmer bzw. Wohnungsgesuch in diesen Verteiler gesetzt, war aber auch so aufmerksam, mir 2 Tage später ein Wohnungsangebot weiter zu leiten, das ebenfalls im Énsba -Verteiler erschienen war. Dadurch bekam ich eine komplett möblierte 2 -Zimmer Wohnung im 18. Bezirk (Montmatre), einer ruhigen Gegend, zu einem vergleichsweise günstigen Preis von 550 Euro monatlich (plus Strom).

Kinderbetreuung Kriterien

Das schwierigste war, dass man im Vorfeld nicht viel machen kann. Man muss wissen in welchen Arrondissement man wohnen wird (und darüber schriftliche Dokumente haben) und die ”Inscription", das Einschreiben auf die Warteliste für einen Krippenplatz, kann man dann im zuständigen Bürgermeisteramt nur persönlich machen. Es gibt in den Bürgermeisterämtern der einzelnen Viertel (Arrondissements) die Zuständigkeitsbüros für Kleinkinder (Mairie de Paris /ETABLISSEMENT D´ACCUEIL DE LA PETITE ENFANCE). (Jedes Arrondissement hat sein eigenes Bürgermeisteramt, die Internetauftritte sind sehr informativ.) Dem ETABLISSEMENT D´ACCUEIL DE LA PETITE ENFANCE gehört auch eine Krippenberaterin an, die die einzelnen Betreuungsformen im Viertel genau kennt und einem sagen kann, was in Frage kommt. (Halte - Garderie, Crèche Parentale, Accueil dans des Familles etc.)

Kinderbetreuung Situation

Bei unserem Beratungsgespräch schaute mich diese Frau nur mitleidig an und meinte, ich hätte doch nicht ernsthaft glauben können, dass ich nach Paris kommen und sofort einen Krippenplatz finden würde! Es gibt verschiedene Betreuungsmöglichkeiten, die aber allesamt komplett ausgelastet waren. Ich habe mich direkt bei meiner Ankunft Mitte September bei dem zuständigen Bürgermeisteramt eingeschrieben, um einen Krippenplatz zu erhalten. (Und seither wartete ich vergeblich auf einen Anruf). Weiterhin habe ich mich in allen Krippen der Umgebung auf die Warteliste eingetragen. Es gibt viele private Initiativen, die nicht von der Stadt abhängen, z.B. die "Crèches Parentales”, in denen die Eltern einen Tag in der Woche mitarbeiten. Die Zugangsvorrausetzungen sind hier allerdings sehr kompliziert und auch langwierig, so dass es sich nur lohnt diese Prozedur zu durchlaufen, wenn das Kind dann auch zwei Jahre oder länger dort bleiben kann. Also musste ich nach gut vier Wochen vergeblichen Bemühens einsehen, dass wir um eine private Betreuung, eine "Nounou” (Tagesmutter) nicht herum kommen. In Supermärkten und Bäckerein findet man kleine Anzeigen von Leuten aus dem Viertel, die solche Dienste anbieten. Auch auf den Spielplätzen (au park) kommt man mit anderen Eltern oder Tagesmüttern ins Gespräch. So fand ich dann schließlich eine Nounou, die sich um Luise kümmerte. Wir zahlten ihr 6Euro/h. Hätte mein Freund nicht weiter in Deutschland gearbeitet, hätte ich mir die Kinderbetreuung trotz Stipendium nicht leisten können.

Eindrücke des Kindes

Luise hat sich bei der Tagesmutter sehr wohl gefühlt.

durchschnittlichen Lebenserhaltungskosten vor Ort

Unterkunft
550 Euro
Krankenversicherung
80 Euro
Verpflegung
300 Euro
Kinderbetreuung
500 Euro
Finanzierungsmöglichkeiten
Motivation

Ich wollte schon immer nach Paris. Doch dann kam die Schwangerschaft dazwischen. Ein Jahr später bin ich dennoch gegangen - zusammen mit meiner inzwischen 13-monatigen Tochter Luise. Die Auslandserfahrung wollte ich mir trotz Kind nicht nehmen lassen. Und für meine künstlerische Arbeit war der Aufenthalt von unschätzbarem Wert! Auch wenn ich vor Ort nicht allzu viel zum Malen gekommen bin, so konnte ich mir viele Arbeiten in den Pariser Museen mehrmals und in Ruhe im Original anschauen.

Orientierung vor Ort

Sobald man in Paris angekommen ist, sollte man sich beim Bureau des Relations Internationales vorstellen gehen und sich die Termine für das umfangreiche Einführungsprogramm geben lassen. Die Werkstätten und die Theorieprofessoren stellen sich bei diesen Einführungsveranstaltungen im Hörsaal vor und man bekommt einen guten Ãœberblick über das Angebot. Sehr sympathisch fand ich auch ein zwangloses Mittagessen mit dem Directeur de l École, das extra zur Begrüßung der Austauschstudenten aus aller Welt stattfand. Zudem bekam jeder Austauschstudent gleich zu Anfang eine Mappe mit wichtigen Informationen, z. B. das Passwort für die Énsba- E-Mail Adresse, eine Liste der Mensen in ganz Paris, das ganze Programm zur Einführung etc. Da ich die ersten 4 Wochen meines Aufenthaltes noch mit der Betreuungssuche für Luise beschäftigt war, konnte ich mich in der Zeit noch nicht bei den Professoren vorstellen. Um einen Atelierplatz zum Malen zu finden habe ich mich bei allen Malereiprofessoren vorgestellt - ohne Erfolg. 4 Wochen nachdem schon alle Erstsemester und Austauschstudenten die Professoren belagert hatten, stand ich auf verlorenem Posten. Enttäuschend fand ich, dass die meisten Professoren noch nicht einmal meine Arbeiten anschauen wollten, sondern mich einfach abgewimmelt haben, es gäbe keinen Platz. Schließlich habe ich mich dazu durchgerungen, in meinem Wohnzimmer zu arbeiten, was bedeutete, dass ich es renovieren musste, bevor ich die Wohnung zurückgab.

Studienablauf

Ich fand es sehr befreiend, als postgraduierten Stipendiatin des DAAD nicht in das schulische System eintauchen zu müssen. An der ENSBA wurde gerade das Système ECTS (Système Européen de Transfert de Credits) eingeführt, wobei man pro Semester eine bestimmte Anzahl an sog. »UC`s » (Unité des Cours) und "Credits" sammeln muss. Für die Austauschstudenten, die mitten im Studium standen eine echte Herausforderung! Seit 2006 ist ein Sprachkurs 2x die Woche für alle ausländischen Studenten Pflicht an der École. (FLE - Francaise Langue Etrangère) Hierzu müssen zu Beginn alle Échange-Studenten einem Sprachtest absolvieren und werden dann in die Kategorien Anfänger, Fortgeschrittene & "Feinabstimmung” sortiert. Schweren Herzens musste ich diesen Kurs nach der Hälfte der Zeit aufgeben, da er mit 7 Stunden in meinen 20 Stunden Arbeitszeit (Luisenfrei) zu hoch zu Buche schlug. Es ist wirklich ein guter Unterricht und sehr empfehlenswert, aber in meiner eingeschränkten Zeit mich muss ich mich mehr auf meine eigene Arbeit konzentrieren - einen Sprachkurs kann ich auch in Deutschland besuchen und meine Frei- bzw. Arbeitszeit nicht so eingeschränkt ist.

Familienfreundlichkeit

Man muss dazu sagen, dass die meisten Studenten rund 10 Jahre jünger waren als ich. In Düsseldorf gab es eine studentische Krabbelgruppe, in der jede Mutter einen Tag in der Woche alle Kinder nahm und dafür 4 Tage studieren konnte. Meine Hoffnung war, an der ENSBA ähnliches vorzufinden. Aber dort hat einfach noch niemand ein Kind. Zusätzlich fehlte mir das soziale Netzwerk wie in Deutschland.

Tagesablauf

Von dem "Studentenleben" habe ich leider relativ wenig kennen gelernt. In dieser Hinsicht war der Umstand, dass ich meine kleine Tochter mit in Paris hatte, ein echtes Handicap. Ich brachte Luise in der Regel nachmittags zur Tagesmutter, so dass ich 20 Stunden die Woche arbeiten/studieren konnte. Wenn ich ins Museum ging, machte ich das meist mit Luise, in der Zeit, wo sie ihren Mittagsschlaf hielt.

Freizeit

Mit der Zeit kennt man einige Leute aus dem Viertel mit denen man dann ein wenig plaudern kann. Durch meine kleine Tochter war ich oft in den "Parcs", wo ich andere Mütter und Väter kennen gelernt habe.

Resümee

Für meine künstlerische Arbeit war der Aufenthalt von unschätzbarem Wert! Auch wenn ich vor Ort nicht allzu viel zum Malen gekommen bin, so konnte ich mir viele Arbeiten mehrmals und in Ruhe im Original anschauen. Es war eine großartige Erfahrung 9 Monate in Paris leben zu können - trotz der vielen Schwierigkeiten. Jetzt habe ich eine Vorstellung von einer Kindheit in Paris und bin doch froh, dass Luise nicht dort aufwachsen muss. Manchmal muss man weit fahren um zu merken, wie gut man es zu Hause hat!

Informationen Familienbild

Zusammen mit Luise habe ich die Parks und Spielplätze der Stadt erkundet und Museen besucht. Die Pariser sind wirklich kinderfreundlich z.B. in den Mussen - vor allem der Louvre mit seinem kinderfreundlichen Wachpersonal.

Empfehlungen

Nicht aufgeben und durchhalten! Und es empfiehlt sich in jedem Fall die Anschaffung mehrerer Reiseführer, denn in keinem steht wirklich alles drin!

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