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Mut & Meer: Abenteuer in Spanien

Celia war mit Levi in Malaga

Name
Celia
Nationalität
Deutsch
Land
Deutschland
Sprache
Stadt
Furtwangen
Heimathochschule
HS Furtwangen
Studiengang
Betriebswirtschaft
Abschluss
Status
Student/in
Zeitraum
01.09.2016 - 03.04.2017
Kinder
Levi (1)
Partner
Patrick (Student/in)
Land
Spanien
Stadt
Malaga
Anlass der Reise
Studiengangsintegriertes (verpflichtendes) Auslandsstudium , Sprachkenntnisse erweitern
Kriterien
Bevor ich schwanger wurde, war mein Plan mein Pflichtsemester in Kolumbien zu verbringen. Die Wahl ergab sich vor allem daraus, dass ich die dortige Zeit ebenfalls nutzen wollte um neben dem Studium möglichst viel zu tanzen. Mein Sohn Levi kündigte sich dann drei Wochen bevor Patrick – sein Papa und mein Partner – nach China in sein Auslandssemester gehen sollte, an. Die Lage für unsere Beziehung war schon schwierig genug, weil wir erst seit neun Monaten ein Paar waren und sein Auslandssemester und Auslandspraktikum, genau meinen Auslandsaufenthalten voran gingen. Patrick bekam also von der Schwangerschaft nur die ersten und letzten anderthalb Monate und die ersten vier Wochen unseres Neugeborenen mit, bevor er dann wieder für fünf Monate nach Hongkong abreiste.
Land
Spanien
Wie sind Sie ins Ausland gegangen?
im Rahmen einer Hochschulkooperation
Mobilitätsprogramm
Erasmus Studium
Dokumente
Auslandskrankenversicherung , Learning Agreement , Kinderausweis(e) , Reisepass
Kinderbetreuung Situation

Levi war in diesem Winter ständig krank. Er vertrug die Betreuung nicht gut, die neuen Strukturen mit dem Papa, der plötzlich zu einer neuen Bezugsperson werden sollte, und der Tagesmutterbetreuung mit den vielen Kindern, waren viel zu viel zum Verarbeiten für unser noch sehr kleines Baby. Für uns frischgebackenen Eltern wuchs der Leistungsdruck mit den nahenden Abgabe- und Prüfungsterminen, was schließlich zu Patrick´s Thesisabbruch führte und seiner Krankschreibung für das nächste Semester Als wir alle dachten wir wären schon am tiefsten Punkt angelangt, bekam Levi das Drei-Tage-Fieber mit Fieberkrampf – inmitten meiner Prüfungsphase!

durchschnittlichen Lebenserhaltungskosten vor Ort

Finanzierungsmöglichkeiten
Auslands-BAFöG , Kindergeld , Elterngeld , Unterstützung durch weitere Familienangehörige
Motivation

Ich studierte ohne Unterbrechungen weiter, das ging mit der vielen Unterstützung unserer Familien ganz gut. Als Levi dann 4 Monate alt war, musste ich mir überlegen, wie ich das mit meinem eigenen Auslandssemester machen wollte. In verschiedenen Treffen mit Professoren, Fachkoordinatoren und der Referentin für Gender und Diversity der Stabstelle Familiengerechte Hochschule lotete ich meine Optionen aus: - Könnte ich aus dem Auslandssemester einfach ein weiteres Semester im Inland machen? - Könnte ich aus meinem Schwerpunkt „Hispanische Welt“ noch einen Fokus auf die „Frankophone Welt“ machen, sodass ein Semester in Straßburg Sinn machen würde? - Straßburg würde mir ermöglichen bei meiner Familie zu bleiben, da es in direkter Nähe zu meiner Heimatstadt liegt und Levi könnte in einer deutschen Kita betreut werden. Wozu rät mir Katharina Kirschbaum, die Referentin für Familiengerechte Hochschule? Kann Sie mir Hilfestellung leisten, mir Informationen darüber geben, welche Hochschulen im Ausland Unterstützung für Studierende mit Kind anbieten? Es taten sich immer mehr Fragen auf: - Wie würde mein Sohn betreut werden; wie ist das Kindertagestätten-System im Ausland; wo und wann muss ich mich um einen Platz kümmern? - Entsprechen die Betreuungsstandards den Ansprüchen, die ich für meinen Sohn habe? Kann ich mir eine Betreuung überhaupt leisten? - Was macht Patrick in der Zeit im Ausland? - Welches Land wäre auch für ihn geeignet und würde ihm erlauben Arbeitserfahrung zu sammeln? All diese Fragen stellten sich mir und die Bewerbungsfristen rückten näher. Ich musste mich entscheiden ohne Antworten auf alle Fragen zu haben. Die Überlegung kam sogar auf, das Studium hinzuschmeißen, denn wie wollten Patrick und ich überhaupt eine Karriere in internationalen Unternehmen mit Familie vereinen? Trotz der großen Verunsicherungen entschied ich mich dann, mich zumindest der Universität in Málaga, Spanien und auf ein Stipendium für das Auslandsstudium mit Kind von der Stabstelle Familiengerechte Hochschule zu bewerben. Anstatt den Kontinent zu wechseln würde ich zumindest in Europa bleiben, entschied ich, aber dennoch den Fokus auf der „Hispanischen Welt“ zu behalten. Für die Bewerbung auf das Stipendium erstellte ich eine Kostenübersicht und verschaffte mir selbst somit mehr Klarheit. Das Verfassen meines Motivationsschreibens brachte mich dazu, mir vor Augen zu führen, welche positiven Aspekte das Auslandssemester haben würde und für eine Weile meine Sorgen hinten anzustellen. Der letzte Absatz meines Motivationsschreibens fängt meine Stimmung in der Entscheidungsphase gut auf: „Obwohl noch tausend Dinge zu erledigen sind, Fragen beantwortet und Ängste überwunden werden müssen bevor wir abreisen, freue ich mich inzwischen sehr auf die Zeit in Spanien und bin gespannt auf das, was uns erwartet. Ich hoffe nun so sehr, dass mein Mut, dieses Auslandssemester antreten zu wollen, mein Wille, mir meine Qualifikationen trotz der vielen Herausforderungen zu ergattern und meine Zuversicht, dass meine kleine Familie davon profitiert, ausreichen, um dieses Stipendium zu erhalten.“ Mit der Organisation hat dann alles soweit geklappt: Die Zusage von der Spanischen Universität, das Stipendium, die Erasmus Förderung und das Auslands-Bafög. Dennoch hat mir das Leben in diesen Zeiten die Lektion beibringen wollen, dass eben nicht alles geplant werden kann! Patrick kam im Oktober wieder aus Hongkong zurück, Levi war inzwischen sieben Monate alt. Er sollte im Wintersemester vor unserem gemeinsamen Auslandsaufenthalt seine Bachelorarbeit schreiben, ich normal weiter studieren, das Kind zwischen mir, Patrick und einer Tagesmutter „hin-und-her-betreut“ werden. Im Februar, nach den Prüfungen, würden wir dann alle zusammen nach Málaga abreisen – irgendwie vor Ort eine Wohnung finden, eine Beschäftigung für Patrick und eine Betreuung für den Kleinen. Versicherungen fürs Ausland wurden abgeschlossen, Flüge gebucht, eine Unterkunft für die ersten Wochen nach dem Ankommen gemietet, Kita-Webseiten wurden studiert und angeschrieben, ob noch ein Platz ab Februar zu haben sei. Ich weiß nicht woher man in solchen Zeiten die Kraft nimmt weiter zu machen – jedenfalls haben wir es geschafft die Zähne zusammen zu beißen. Wir haben die Entscheidung gefällt trotz allem nach Spanien zu reisen und daran geglaubt, dass es uns als Familie zusammenschweißen würde.

Transportmöglichkeit

Patrick und sein Vater fuhren mit unserem voll gepackten Auto nach Spanien. Mit Levi und einer Freundin flog ich drei Tage später mit dem Flugzeug nach und Patrick konnte uns am Flughafen in Málaga abholen.

Orientierung vor Ort

Vor Ort angekommen lief alles bestens. Wir fanden nach zwei bis drei Wochen eine klasse Vier-Zimmer-Wohnung, die nur fünf Minuten entfernt von einem der Campi der Universität und zur Innenstadt lag. Meinen Vorlesungsplan konnte ich mir zeitlich passend und orientiert an meinen Interessen selbst zusammenstellen. Patrick machte zwei Mal die Woche einen Sprachkurs, bei dem er schnell und viel lernte, obwohl er vorher kaum Spanisch sprach. Er und Levi wuchsen auch ein ganzes Stück enger zusammen, was sicherlich auch daran lag, dass wir alle nicht mehr so gestresst waren. Außerdem entschieden wir uns, Levi doch nicht in eine Kita abzugeben, da Patrick zu Hause war und Zeit hatte, und es schön war ihn noch eine Weile nur in unserer elterlichen Obhut zu haben.

Studienablauf

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Resümee

Zusammenfassend hat uns das Auslandssemester als Familie stärker gemacht, weil wir gesehen haben, dass wir auch ohne viel Hilfe von außen unser Leben meistern können. Wir sind viel gereist, haben zusammen ein kleines Stück der Welt erkundet und uns an gemeinsamen, schönen Momenten bereichert. Wir sind auf eine uns beiden fremde Kultur gestoßen in der wir uns sehr wohl fühlen konnten, da wir mit unserem Sohn überall sehr herzlich aufgenommen wurden. Nicht nur ich hatte meine Erfolge an der Universität, sondern auch Patrick in seinen Sprachkursen. Levi hat mit 13 Monaten in Spanien laufen gelernt, im Meer gebadet und seine ersten Worte gesprochen. Wir freuen uns immer wieder uns an dieses Abenteuer „Auslandsstudium mit Kind“ zu erinnern. Wenn ich der Celia von damals aus heutiger Sicht einen Tipp geben könnte, würde ich mir empfehlen die Erfahrung mehr auf mich zukommen zu lassen und eins nach dem anderen zu machen. Anstatt mir so viele Sorgen zu machen – mich mehr zu freuen.

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