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Katrin aus Potsdam war mit Jonas (3) in Torrelavega, Spanien, Bericht vom 14.04.12
Name
Katrin
Heimathochschule
Universität Potsdam
Stadt
Potsdam
Land
Deutschland
Sprache
Deutsch
Studiengang an der Heimathochschule
Lehramt Gymasium
Zeitraum
09.2011 - 06.2012
Mitgereiste Familienmitglieder
1 Personen
Kinder (Alter)
Jonas (3)
Partner (Status)
nicht ausgefüllt ()
weitere Begleitpersonen
nicht ausgefüllt
Land
Spanien
Landessprache
Spanisch
Stadt
Torrelavega
Hochschule
Instituto de Educacion Secundaria
Anlass zum Auslandsstudium
Auslandserfahrungen sammeln
Sprachkenntnisse erweitern
Auswahlkriterien
Da ich auch meine Sprachkenntnisse verbessern wollte, kamen für mich nur spanischsprachige Länder in Frage. Letztendlich habe ich mich aufgrund der Nähe zu Deutschland sowie der besseren Sicherheitslage gegen Lateinamerika und für Spanien entschieden. In Spanien habe ich mich wiederum für Kantabrien entschieden, da ich meinem Sohn nicht zwei Fremdsprachen (z.B. zusätzlich noch Baskisch) zumuten wollte.
Ansprechpartner
Ansprechpartner/Institutionen
nicht ausgefüllt
E-Mail
nicht ausgefüllt
Zeitraum des Aufenthaltes
09.2011 - 06.2012
Mobilitätsprogramm
Dokumente
Auslandskrankenversicherung
Reisepass
Kinderausweis(e)
Sonstiges
Sonstiges: für die Anmeldung in einer spanischen Kita werden alle Geburtsurkunden der Familie verlangt
Wohnen
Von Deutschland aus hatte ich bereits in einschlägigen Portalen im Internet nach möblierten Wohnungen gesucht und bin dabei auch fündig geworden. Vor Ort stellte sich jedoch heraus, dass ausgerechnet das Kinderzimmer Schimmelflecken hatte. Innerhalb eines Tages fand ich jedoch eine andere Wohnung. Generell gibt es in Spanien eher weniger Mietwohnungen, da die meisten Spanier es bevorzugen, eine Wohnung zu kaufen. In Urlaubsregionen vermieten jedoch viele ihre Ferienwohnung von September bis Mai zu einem recht günstigen Preis. Im Nachhinein würde ich aufgrund meiner Erfahrungen erst vor Ort nach einer Wohnung Ausschau halten. In Supermärkten finden sich oftmals Anzeigen und in vielen Wohnungen hängen „Se alquila“-Schilder aus, so dass es meist mehr Angebot gibt, als man zunächst im Internet findet.
Kinderbetreuung/Schule:
Auf der Internetseite des Bildungsministeriums Kantabriens waren sämtliche Colegios (ab 3 Jahren) aufgeführt und zum Teil verlinkt. In der Kleinstadt, in die ich ziehen wollte, gab es nur ein öffentliches Colegio, sodass ich keine Auswahl hatte. Glücklicherweise machte der Internetauftritt einen sehr guten Eindruck (in verschiedenen „Blogs“ wurde die Arbeit in den Gruppen dokumentiert). Zudem rief eine spanische Freundin von mir dort an und konnte meinen positiven Eindruck nur bestätigen.
Kinder in Spanien haben ab dem Alter von 3 Jahren ein „Recht auf Bildung“, weshalb diese an den öffentlichen (Vor-) Schulen kostenlos ist. Allerdings ist die Betreuungszeit recht starr (9.30-16.30, andernorts meist 9-16 Uhr). Für das Mittagessen und die Betreuung in der Mittagpause (durch Betreuer einer Catering-Firma) musste ich pro Monat etwa 100 € ausgeben. Viele Familien holen ihre Kinder jedoch mittags ab, damit sie zu Hause essen können und bringen sie nach der Siesta wieder ins Colegio. Daneben gibt es in Spanien noch „halb-private“ (concertados) und private (Vor-)Schulen, die meist in katholischer Hand liegen und Gebühren (angefangen von 20€ pro Monat bis zu deutlich höheren Preisen) nehmen. Wichtig zu bedenken ist, dass die Betreuungssituation in jeder Region anders aussehen kann. Da wir gewissermaßen „auf dem Lande“ wohnten, habe ich -trotz Ablauf der Frist - nur wenige Formulare ausfüllen müssen und sofort einen Platz für meinen Sohn erhalten. In Großstädten wie Madrid und Barcelona sieht die Situation wohl ganz anders aus: Öffentliche Betreuungseinrichtungen sind äußerst knapp, sodass viele auf teure Angebote zurückgreifen müssen.
Mein Sohn, der zumindest am Anfang eher von der schüchternen Sorte ist, hat sich ausgesprochen gut und schnell in seinem spanischen Colegio eingelebt. Dabei konnte er zu Beginn kein Wort Spanisch und war aus Deutschland nur die familiäre Atmosphäre einer Tagesmutter mit wenigen anderen Kindern gewohnt. Ich denke, die langsame Eingewöhnung in den ersten drei Wochen sowie der sehr strukturierte Tagesablauf haben ihm dabei geholfen. Seine Erzieherin ist zudem sehr liebevoll und hat ihm zumindest am Anfang besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt. Innerhalb kürzester Zeit kannte Jonas alle Namen der anderen Kinder aus seiner Gruppe und fühlte sich sichtlich wohl. Anders als in Deutschland lernen die Dreijährigen hier spielerisch und ohne Druck bereits Buchstaben, Zahlen, geometrische Formen etc., was für mich anfangs befremdlich war, meinem Sohn jedoch sehr viel Spaß machte. Einmal die Woche fand zudem Musik, Sport, Ethik und Englisch statt. Jedes Trimester gab es ein übergreifendes Projekt wie „Wer bin ich?“, Ägypten oder Tiere. Nun am Ende unseres Aufenthaltes versteht Jonas fast alles, spricht für sein Alter ganz gut spanisch (sogar mit mir!) und wird auf dem Spielplatz freudig von seinen Freunden begrüßt. Ich schätze, dass der Abschied in sechs Wochen auch ihm schwer fallen wird. Die Trennung von seinem Papa hat Jonas auch erstaunlich gut verkraftet. Zwar hat er ab und zu gefragt, warum wir nicht mehr beim Papa in Potsdam wohnen, doch all dies ohne Tränen oder Heimweh. Im Durchschnitt kam Jonas‘ Papa alle fünf Wochen zu Besuch und hat sich dann besonders viel Zeit für ihn genommen. Wir beide sind in den neun Monaten jedoch kein einziges Mal zurück nach Deutschland geflogen, da ich Jonas den Sprung zwischen diesen zwei Welten nicht zumuten wollte.
Kosten im Monat
Unterkunft
550,00 Euro
Krankenversicherung
150,00 Euro
sonst. Versicherungen
nicht ausgefüllt
Essen und Trinken
300,00 Euro
öffentl. Verkehrsmittel bzw. Sprit
130,00 Euro
Studiengebühren
nicht ausgefüllt
Sprachschule
nicht ausgefüllt
Kinderbetreuungskosten
100,00 Euro
Schulgeld/-gebühren
nicht ausgefüllt
Sonstige Ausgaben
,00 Euro
Gesamtausgaben
1290,00 Euro
Finanzierung
Elterngeld
eigener (Neben-)Job
Erspartes
Durchschnittliches monatliches Einkommen während des Auslandsaufenthalts
1200,00 Euro
Motivation
Ich hatte bereits ohne Kind ein Semester in Spanien studiert und wollte nun noch einmal als Fremdsprachenassistentin das spanische Schulsystem kennenlernen und mich als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache ausprobieren. Ich denke, dass man als angehende Spanischlehrerin längere Zeit in einem spanischsprachigen Land gelebt haben sollte, um die Lebensweise und die Menschen besser kennenzulernen. Mein allgemeines Fernweh spielte sicher auch eine Rolle.
Reisemöglichkeiten
Wir sind einen Großteil der Strecke mit dem Autozug gefahren (Berlin bis Narbonne), den ich gerade bei einer langen Reise mit Kind nur weiterempfehlen kann. Wenn man rechtzeitig bucht, erhält man meist relativ günstige Tickets, die (in der untersten Kategorie) nur wenig mehr kosten als die sonst anfallenden Hotel-, Benzin- und Mautkosten. Von dem Stress, den man sich dadurch mit dem Kind im Auto spart, ganz zu schweigen. Da der Zug ein paar Stunden Verspätung hatte (was bei einer solch langen Strecke wahrscheinlich nicht selten ist), wurde uns zudem Geld zurückerstattet. Die verbleibenden 700 Kilometer bis nach Nordspanien haben wir mit dem Auto zurückgelegt. Da wir in einer ländlichen Gegend gewohnt haben, war ich später sehr froh über unseren eigenen PKW und die damit verbundene Unabhängigkeit. Nur so konnte ich auch das Spielzeug, Bettdecken etc. transportieren.
Meine Eindrücke
In der ersten Woche war mein Partner noch bei uns in Spanien, so dass ich in Ruhe alle Formalitäten erledigen konnte und somit auch noch beim Einzug in die Wohnung Unterstützung hatte. Unser Sohn Jonas konnte in dieser Zeit auf dem Spielplatz seine ersten Erfahrungen mit den so „anders“ sprechenden Kindern machen. Da ich Spanien von meinem Erasmus-Semester bereits ein wenig kannte und die kulturellen Unterschiede nicht so gravierend sind, empfand ich die Anfangszeit eher als Urlaub. Meine Aufregung legte sich in dieser Zeit und wich einer Gelassenheit, dass alles gut werden würde.
Verpflegung
In Spanien kosten die Lebensmittel etwa so viel wie in Deutschland, auf dem Wochenmarkt sind Gemüse und Obst meist etwas günstiger. Schwieriger wird es hingegen bei Bio-Produkten, da es hier meist nur eine kleine bzw. gar keine Auswahl gibt.
Studienablauf
Die Lehrer an meiner Schule nahmen Rücksicht auf die Betreuungszeit meines Sohnes und hatten mich daher nicht für die erste Schulstunde und den Unterricht am späten Nachmittag eingeplant. Dies hat mir den Aufenthalt deutlich erleichtert, da ich so nicht nach weiteren Betreuungsmöglichkeiten für meinen Sohn suchen musste.
Tagesablauf
7.30 Uhr: aufstehen, frühstücken, fertig machen 9.15 Uhr: Jonas ins Colegio bringen und zur Schule fahren 10-15 Uhr: Unterrichten, Stunden vorbereiten, Absprachen mit den anderen Lehrern 15-16.30 Uhr: Einkaufen, Mittagessen kochen oder Zeit für mich 16.30-22.00 Uhr: mit Jonas zu Hause spielen bzw. mit Freunden auf dem Spielplatz oder am Strand, Abendbrot, Jonas ins Bett bringen
kurzes Resümee des Auslandsstudiums
Rückblickend war es ein wunderschönes Jahr und ich bin sehr froh, dieses Abenteuer gewagt zu haben. Ich habe nicht nur ein anderes Schulsystem kennengelernt, sondern vor allem Freundschaften mit Menschen unterschiedlichen Alters und in ganz verschiedenen Lebenssituationen geschlossen. Dadurch konnte ich die spanische Kultur intensiv miterleben und viel dazulernen. Natürlich war es zeitweise auch anstrengend als praktisch alleinerziehende Mutter im Ausland, aber ich bin an all diesen Erfahrungen gewachsen. Das einzige, was ich anders machen würde, wäre wohl vor der Abreise weniger an meinem Plan zu zweifeln. Mittlerweile bin ich zu dem Schluss gekommen, dass man mit Kind im Ausland in mancherlei Hinsicht weniger Freiheiten hat, sich andererseits aber auch viele Möglichkeiten ergeben, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen.
Information zum Familienbild im Gastland
Ich habe die Spanier als äußerst kinderfreundlich und hilfsbereit erlebt. Nicht selten wurde Jonas auf der Straße wegen seiner blonden Haare („Rubio, rubio!!!“) angesprochen und insbesondere von der älteren Generation über den Kopf gestreichelt. Spanische Kinder werden meistens auch immer mitgenommen (beispielsweise spätabends in die Bar), ohne dass sich jemand daran stört oder darüber verwundert ist. Die allermeisten Spanierinnen bekommen ihre Kinder erst mit Anfang oder Mitte 30 und waren somit deutlich älter als ich. Studenten mit Kind sind hier daher noch weitaus „exotischer“ als in Deutschland. Auffällig ist auch, dass die meisten Großeltern in Spanien sich sehr viel um ihre Enkel kümmern.
Empfehlungen und Hinweise für andere CampusEltern
Empfehlungen auszusprechen ist immer schwierig, da jeder völlig andere Rahmenbedingungen und Vorstellungen hat. Dennoch hier ein paar Denkanstöße vor allem für die, die ohne Partner den Schritt ins Ausland wagen: • Großstadt oder Land? Ich denke, dass wir uns in einer Großstadt nicht so schnell hätten einleben können. Zudem habe ich hier in dieser wunderbaren Landschaft, in den Bergen und am Meer viel schöne Zeit mit meinem Sohn verbringen können. Zwar gibt es hier nur wenige kulturelle Angebote, doch hätte ich diese ohnehin als quasi alleinerziehende Mutter nicht oft nutzen können. • Wohnen? Wir hatten eine Wohnung für uns alleine, da es in der Gegend auch keine WGs gab. Der Vorteil war auf jeden Fall, dass wir so ganz unproblematisch von der Familie besucht werden konnten. Andererseits verbringt man so relativ viel Zeit zu zweit bzw. alleine. Tipp: Wir haben das Kinderzimmer in Deutschland untervermietet, um die Finanzen aufzubessern. • Welches Alter? Jonas war kurz vor unserer Abfahrt drei Jahre alt geworden. Im Nachhinein denke ich, dass dieses Alter ideal war. In Deutschland hatte er noch keine festen Freunde, die er hier hätte vermissen können. Außerdem war er schon recht selbstständig und konnte auch mit seinem Papa telefonieren und sich mitteilen. Anstrengend war jedoch, dass er im Winter sehr oft krank war, da es auch sein erstes Kindergartenjahr war. • Wie lange? Auf jeden Fall länger als sechs Monate bleiben, damit man sich wirklich integrieren und die besonders schöne Zeit am Schluss genießen kann. Insgesamt möchte ich aber alle ermutigen, solch einen Auslandsaufenthalt anzugehen. Wenn man Interesse an den Menschen vor Ort, viel Kraft und für die schwierigen Zeiten auch eine Portion Durchhaltevermögen mitbringt, kann man in dieser Zeit unglaublich viel lernen und unvergessliche Erfahrungen machen. Ich möchte diese Zeit nicht missen und bin bereichert durch all die Erlebnisse, die Erzählungen der Menschen hier und neue Freundschaften, die sicher weiter bestehen bleiben.
KONTAKT:
www.auslandsstudium-mit-kind.de